Wenn Beckumer Weiber zum Tanz bitten
Bild: Biefang
„Es kann losgehen!“ Schon in Feierlaune sind die Organisatorinnen des Weiberumzugs. Für die „Glocke“ warfen sich (v. l.) Janina Steinsträter, Simone Bernzen, Daniela Gundlach und Jutta Müller-Knipping schon einmal in Schale.
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Passend zum Thema dürften am 28. Februar hunderte Frauen in bunten Kostümen durch die Beckumer Innenstadt ziehen. Die Weiber geben den Ton an, und Menschenmassen am Straßenrand jubeln ihnen zu. Auch für die Organisatoren immer wieder ein unbeschreibliches Gefühl. „Wo kommen all die Leute her?“, frage ich mich jedes Mal, wenn wir die Nordstraße herunterkommen“, sagt etwa Simone Bernzen. Kein Wunder: Schließlich handelt es sich um den größten Weiberumzug im Kreis Warendorf.

Und darauf sind die vier Macherinnen zu Recht stolz. Zum vierten Mal legen sie sich für den Umzug kräftig ins Zeug. „Wir sind ein zusammengewürfeltes, eingespieltes Team“, sind sich alle einig. Man ergänze sich einfach hervorragend, bringt es Jutta Müller-Knipping auf den Punkt. Eigentlich, so sollte man meinen, ist der farbenprächtige Umzug mit seinen gut gelaunten Teilnehmerinnen in kreativen Kostümen ein Selbstläufer. Doch weit gefehlt: Auch die vier Organisatorinnen haben schon gebangt, ob alles reibungslos abläuft. Etwa vor zwei Jahren, als sich ein Sturm ankündigte. „Erst in letzter Minute kamen die Weiber aus ihren Löchern“, erinnert sich das Quartett. Und der Sturm entpuppte sich glücklicherweise als laues Lüftchen.

Wo wir gerade beim Wetter sind: Ein kaltes Kontrastprogramm erwartete die Weiber im vergangenen Jahr. Bei Minus acht Grad Celsius tanzten sie sich auf den Straßen warm. Schon ein Vorgeschmack auf den kommenden Umzug, wenn die „Dancing Queens“ zum Tanz bitten. Das Erfolgsrezept des Weiberumzugs liegt für die vier eingefleischten Beckumerinnen auf der Hand: Man müsse einfach einen Bezug zur Püttstadt haben und von jetzt auf gleich in der fünften Jahreszeit den Schalter umlegen können. Zugleich setzen die Frauen mit der einmaligen Veranstaltung ein (Ausrufe-)Zeichen in der Männerdomäne Karneval. Da ist es selbstverständlich, dass sich das Organisationsteam an Kampagnen des Vereins „Frauen helfen Frauen“ beteiligt. „Feiern ohne Knockout“ oder „Kein Freiwild“ prangt auf den Buttons auf ihren Kostümen.

Buttons setzen ein Zeichen

Während sich die Vorgänger des Orga-Teams für den Weiberumzug ordentlich in Schale warfen und mit außergewöhnlich Kostümen die Blicke auf sich zogen, verfolgen Simone Bernzen, Janina Steinsträter, Daniela Gundlach und Jutta Müller-Knipping eine andere – ebenso überzeugende – Strategie. Um einen Wiedererkennungseffekt zu schaffen, tragen sie in jedem Jahr dieselbe närrische Tracht. Dazu gehören selbst angefertigte Hosen, auf denen Symbole des heimischen Karnevals gedruckt oder aufgenäht sind. Die Zahl 11, der Kater Rumskedi, Wappen, aktuellen Buttons, das Rathaus oder die Mühle am Höxberg zählen dazu. Nicht zu vergessen die Namen der vier Organisatorinnen – Verwechslungsgefahr ausgeschlossen. Was die Kostüme angeht, stehen die übrigen Teilnehmerinnen im Mittelpunkt. „Die haben schließlich wochenlang geschneidert und gebastelt“, wie Jutta Müller-Knipping weiß.

Nicht nur die Stimmung am Straßenrand, sondern auch im Umzug selbst ist einmalig. Von Konkurrenzkampf keine Spur. Im Gegenteil: „Die Gruppen loben sich gegenseitig und feiern zusammen“, hat das Quartett festgestellt. Eine Anekdote ist den närrischen Frauen im Kopf geblieben: Nachdem in einer Gruppe gleich drei Frauen krank ausgefallen waren, machte sich eine Frau alleine auf den Weg zum Umzug. Sie hätte einfach nicht am Straßenrand stehen können, erzählte sie später. Nach wenigen Minuten auf der Straße schloss sie sich einfach anderen Gruppen an und feierte in der bunten Gemeinschaft. Besser kann man wohl den Charakter des Zugs nicht in Worte fassen.

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