Wo Fleiß mehr als Begabung zählt
Plié, seit, ran und die Arme nach oben: Die Anweisungen der Dozentin Bettina Essmeier des Tanztheaters Filou in Beckum sind klar. An der Stange machen die Fünf- und Sechsjährigen der tänzerischen Früherziehung bereits eine gute Figur.

„Wenn die Kinder auf der Bühne stehen, ist es, als wäre ich selbst dort. Vielleicht ist es sogar besser“, meint Nikolaj Cembrovic, Diplom-Ballett-Pädagoge der Kulturinitiative Filou. Er steht komplett in Schwarz gekleidet mit dem Rücken zum großen Spiegel an der Wand. Darin spiegeln sich rund zwanzig Ballettschülerinnen, die für eine Aufführung proben und auf Ballettschuhen durch den Saal gleiten. Seine Ausbildung zum Tänzer hat Nikolaj Cembrovic in Russland absolviert. Dass er Tänzer wurde, passierte „wie von selbst“, beschreibt er. Nach einem Unfall musste er mit seiner Leidenschaft, dem Balletttanz, aktiv aufhören. „Das war zunächst schwer für mich“, sagt Cembrovic. Schnell hat er einen anderen Weg für sich gefunden und sich dem Tanzunterricht verschrieben. Dass er zum Filou in Beckum kam, nennt er heute einen „glücklichen Zufall“. 80 Kinder tanzen unter seinen Augen vor dem Spiegel. 30 von ihnen fördert er zusätzlich in Gruppen mit mehr Tanzstunden und anderen Choreographien. „Dabei geht es nicht um Begabung, sondern um Fleiß“, erklärt er. Wer den Willen habe und viel üben möchte, könne seine Leidenschaft in den Ballett-Stage-Klassen bei Filou ausleben. Mit rosafarbenem Tutu und Strumpfhose stellen sich Fünf- und Sechsjährige auf ihre Zehenspitzen. Die erste Ballettklasse beugt ihre Knie, setzt das Bein gerade nach hinten und zieht es ran. „Haltet die Stange nicht zu fest“, mahnt die Dozentin Bettina Essmeier. Die Lehrerin für Tanz und Jazz unterrichtet die Früherziehung im Ballettsaal. Cembrovic übernimmt ab dem sechsten Lebensjahr die Tänzer von ihr in seine Klassen. Von diesem Zeitpunkt an fördert er die Ballettschüler in unterschiedlichen Klassen. Der älteste Ballett-Schüler ist 60 Jahre alt. In einem großen Spiegel betrachten die Mädchen ihre Haltung. Fast gleichzeitig setzen über zehn Fußpaare nach der Beugung, dem Plié, zum Sprung an. Zum Schluss recken sie ihre Arme konzentriert in die Höhe.

Der Weg von der Stange zur Bühne ist im Filou-Theater in Beckum kurz: „Das Besondere bei Filou ist, dass die Tänzer einen engen Kontakt zur Bühne genießen, anders als in anderen Schulen“, sagt Ballett-Lehrer Nikolaj Cembrovic. Zurzeit proben die jungen Balletttänzer für eine Werkstattaufführung im Oktober. Die Förderkurse treten im Frühjahr 2014 auf der Filou-Bühne auf und präsentieren das italienische Märchen „Tschipollino“. „Hier im Filou können die Tänzer die Bühne richtig genießen, das ist ein zusätzlicher Motivationskick“, betont Cembrovic. Für ihn steht fest: Das Filou bildet Beckumer nicht nur tänzerisch und kulturell aus, sondern „zieht sie auf“. Dies sei das Besondere an der Ausbildung der Kulturinitiative und dem Tanztheater des Filou.

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