58 Entlassungen: (K)ein Standort-Signal
Bild: Ebert
Nichts geht mehr. Die elektronischen Schlüssel von einigen Agrata-Mitarbeitern waren am Freitag ohne Funktion.  Andere passierten wie gewohnt die Drehtür zur Versammlung.
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Sie gelangen nicht durchs Eingangstor aufs Betriebsgelände. Ihre elektronischen Schlüssel funktionierten nicht. Das Tor ist dicht. „Wir sind ausgesperrt“, sagt ein Mitarbeiter, der 14 Jahre lang täglich durch diese Drehtür gegangen ist. Geschäftsführer Carsten Heilmann stellt das wenig später klar: „Hier ist niemand ausgesperrt. Heute ist arbeitsfrei.“ Die 34 im Betrieb verbleibenden Kräfte sind für später zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Die sollen dahingehend informiert werden, wie Agrata sich strategisch neu aufstellen möchte. Agrata sortiert, verpackt und lagert Zwiebeln und Speisekartoffeln. Der Vertrieb war über Jahre auf bundesweite Auslieferung ausgelegt. Weil der Konsument immer mehr regionale Produkte nachgefragt, bricht Agrata weitentfernt angesiedelte Kundschaft weg. Deshalb sieht die Geschäftsführung nach Eigenangaben ihr Heil in Personalreduzierung und strategischer Umorientierung. Am Donnerstag war die Kündigung nach Schichtende der Belegschaft mündlich angekündigt worden. „Ich fühle mich wie ein Werkzeug, das man nicht mehr braucht“, sagt Pehlül Bektas, der seit zehn Jahren bei Agrata angestellt ist. 42 Jahre ist Heribert Strotjohann dabei. Er wettert: „Die wollen den Standort ausbluten lassen.“ Die dicken Aufträge würden der Schwesterfirma Agrigola in Uelzen zugeschustert. Allein in den vergangenen drei Jahren seien dort Millionen in die Installation vollautomatischer Verpackungsmaschinen investiert worden. „Da steckt System hinter“, mutmaßt Strotjohann, über den Heilmann gegenüber der „Glocke“ verwundert berichtet: „Der macht nur Stimmung, er ist von der Kündigung gar nicht betroffen.“ Investitionen an anderen Standorten des Unternehmens stellt Heilmann nicht in Abrede. Es sei tatsächlich paradox, in Beelen Arbeitsplätze abbauen zu müssen und im Raum Berlin zusätzlich schaffen zu müssen, um dort die Nachfrage befriedigen zu können. Der Markt lasse aber keine andere Folgerung zu.

Die Reaktion der Gewerkschaft und andere Details lesen Sie in der Printausgabe.

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