Beelen: 50 Flüchtlinge treffen am Abend ein
Bild: Stempfle
Die ersten 50 Flüchtlinge sind am Dienstagabend  in der Beelener Notunterkunft, die in der Von-Galen-Schule eingerichtet wurde, eingetroffen.
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Gegen 11.30 Uhr ist die Order aus der Kreisverwaltung gekommen: Der erste Bus mit 50 Personen sollte gegen 13 Uhr an der VGS eintreffen, der zweite gegen 15.30 Uhr. Um 13.05 Uhr dann die Korrektur: Es handele sich um eine Fehlinformation. Wer wen falsch verständigt hatte und ob die Busse überhaupt schon losgefahren sind, blieb offen. Christian Gehling bläht die Wangen. Seit drei Stunden sind 38 ehrenamtliche Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) und Malteser Hilfsdienst (MHD) in der Schule und warten auf die Busse. Wann die wohl eintreffen? Gehling zuckt die Schultern. Aus welchen Gebieten die Flüchtlinge stammen? Gehling winkt ab. In welchem Zustand die Menschen seien, die Obdach in Beelen finden werden? „Wissen wir alles nicht“, sagt er mit einem Lächeln, und Josef Weil vom MHD nickt zur Unterstreichung dieser Aussage.

Helfer haben nur spärliche Informationen

Die Informationen erreichen diejenigen, die den Hauptteil der Mammutaufgabe bislang gestemmt haben, nur tröpfchenweise. Auch Bürgermeisterin Elisabeth Kammann macht einen ratlosen Eindruck: „Ich bin genauso wenig im Bilde wie alle anderen“, sagt sie und blickt Gehling an. Der lässt sich die Frustration kaum anmerken. „Eins wissen wir: Wir sind vorbereitet und startklar.“

Fünf Tage Zeit, um Unterkunft herzurichten

In fünf Tagen haben MHD und DRK mit 80 Helfern aus dem Kreisgebiet die ehemalige Von-Galen-Schule in eine Notunterkunft verwandelt. „Das ist Ehrenamt“, sagt Gehling und zeigt auf die Helfer, die im Hintergrund aktiv sind. Rund um die Uhr werden sie vor Ort sein, 24 Helfer werden von 8 bis 21 Uhr Ansprechpartner für die Flüchtlinge sein. Bis Freitag, dann übernimmt der Kreis diese Aufgabe.

„Es handelt sich um eine logistische Meisterleistung, die die Ehrenamtlichen vollbracht haben“, ist Landrat Dr. Olaf Gericke voll des Lobes für DRK und MHD. Auch der Gemeindeverwaltung Beelen dankt der Landrat für die schnelle, kompetente und unkomplizierte Zusammenarbeit. „Eins ist klar“, sagt Dr. Olaf Gericke, „es handelt sich bei dieser Maßnahme um erste Hilfe für das Land NRW und nicht um eine permanente Einrichtung. Nach vier Wochen bauen wir hier ab. Ich stehe bei der Gemeinde im Wort. Und das halte ich“, betont der Landrat mit Nachdruck.

Um 20 Uhr trifft der Bus an der ehemaligen Von-Galen-Schule ein. Erschöpft verlassen die ersten 50 Männer, Frauen und Kinder den Linienbus. Verhalten applaudieren die ehrenamtlichen Helfer. Familien werden in die provisorische Krankenstation gebracht, die übrigen Personen nehmen in einem Zelt der Feuerwehr Platz, um einen ersten medizinischen Check zu durchlaufen.

27-Jähriger bietet sich als Dolmetscher an

Am Rand des Geschehens steht Ferdinand Marku. Der 27-Jährige ist gekommen, um zu helfen. Er hat gehört, dass viele Flüchtlinge aus Albanien stammen sollen, deshalb hat er seine Dienste als freiwilliger Dolmetscher angeboten. „Ich möchte den Menschen den ersten Kontakt erleichtern“, sagt der 27-Jährige. Er kennt das Gefühl, fremd in einem Land zu sein und sich nicht verständigen zu können. „Ich bin selbst Flüchtling“, erzählt er. Vor 16 Monaten ist er nach Deutschland gekommen, vor 15 nach Beelen. Verständigen konnte er sich nur auf albanisch und italienisch, verstanden hat er anfangs nichts. „Das war eine schlimme Zeit, nichts fragen und nichts sagen zu können. Als hätte man keine Stimme mehr“, erinnert er sich. Um den neu angekommenen Flüchtlingen dieses Gefühl zu ersparen, will er bei der Verständigung helfen.

Neuankömmlinge erschöpft, aber gesund

„Alle Personen sind erschöpft, machen aber einen gesunden Eindruck“, ist das erste Fazit von Christian Gehling. Nach der Registrierung, bei der die Personalien aufgenommen und Chipkarten als Berechtigungsausweise verteilt werden, können sich die Flüchtlinge in den zu Schlafsälen umfunktionierten Klassenzimmern ausruhen. Die 39 Männer und elf Frauen aus 15 verschiedenen Nationen werden bald nicht mehr allein der VGS sein: In den kommenden Tagen sollen laut Bezirksregierung Arnsberg weitere 100 Flüchtlinge in die Notunterkunft der Gemeinde am Axtbach gebracht werden. Wann mit ihnen zu rechnen ist? Landrat, Bürgermeisterin und Organisatoren von MHD und DRK machen ratlose Gesichter. „Das wissen wir erst, wenn wir nähere Informationen der Bezirksregierung erhalten“, sagt der Landrat. Wann das der Fall sein könnte? Auch darauf weiß an diesem Abend niemand eine Antwort. „Die Informationsweitergabe ist bislang suboptimal und zukünftig deutlich verbesserungswürdig“, fasst es Dr. Gericke diplomatisch zusamme

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