Gemeindeleben ohne eigenes Gotteshaus?
Bild: Wiengarten
Guter Rat war teuer, als am Montag die Christen der Evangelischen Kirchengemeinde in Beelen um den Erhalt der Heilig-Geist-Kirche rangen.
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 Knapp 30 Personen waren dazu in den Gemeinderaum gekommen, darunter auch Bürgermeisterin Elisabeth Kammann und der Stellvertretende Vorsitzende des katholischen Pfarreirats Johannes Weber. Begrüßt wurden die Anwesenden von Birgit Farwick.

Zusammen mit Pfarrer Dr. Uwe Gryczan führte sie aus, dass die Finanzkrise schon lange bestehe. Eine Pfarrstelle sei abgebaut worden und auch beim übrigen Personal habe man Stunden streichen müssen, um den Erhalt der Gebäude sicherzustellen.

„Bei Kirchenschließungen ist die Betroffenheit am größten“, erklärte der Pfarrer. Er machte aber auch deutlich, dass die Auslastung des Gebäudes nur bei 28 Prozent liege und die Spendenbereitschaft um 30 Prozent zurückgegangen sei. Birgit Farwick: „Ich bin es leid, ewig hinter Geld herzulaufen, es gibt wichtigere Aufgaben.“

Bürgermeisterin Elisabeth Kammann gab zu bedenken, dass eine Renovierung der Kirche machbar sei, ob allerdings die jährlichen Unterhaltungskosten getragen werden könnten, wisse sie nicht. Sie würde es bedauern, wenn das Gotteshaus geschlossen werden müsste. Die evangelische Gemeinde in Beelen zählt 760 Mitglieder. Andrea Roberg fragte in die Runde blickend: „Wo sind die Leute unter 30 Jahren heute?“ Sonntags seien manchmal gerade einmal zehn Christen im Gottesdienst anzutreffen. „Wir müssen mehr Kraft in das Gemeindeleben investieren anstatt in Gebäude“, so ihre Meinung. Pfarrer Dr. Uwe Gryczan ergänzte: „Wir haben in Beelen eine Handvoll Leute, die sich über Gebühr engagieren. Andere müssen sich fragen lassen, wo sie gewesen sind.“

Wie kann das Gemeindeleben ohne Gebäude weitergehen? Johannes Weber sagte im Namen der katholischen Pfarrgemeinde: „Sie sind jederzeit in den Räumen der Schwestergemeinde willkommen.“ Auch Bürgermeisterin Elisabeth Kammann sagte ihre Solidarität und Unterstützung zu. Pfarrer Dr. Uwe Gryczan dankte für die Zusagen, lobte die gelebte Ökumene in Beelen und stellte fest: „Wir wollen nicht das Gemeindeleben abbauen sondern überlegen, wo es stattfinden kann.“

Reinhard Gerstel wollte sich mit einer Schließung der Kirche nicht so schnell abfinden. Er schlug vor, allen Gemeindegliedern Fragebögen zukommen zu lassen, um zu ergründen, inwieweit Unterstützung zum Erhalt des Gebäudes und der Aktivierung des Gemeindelebens vorhanden sei. Dieser Vorschlag wurde angenommen.

Nach der Auswertung findet erneut eine öffentliche Gemeindeversammlung statt. Bis dahin wird weiterhin in alle Richtungen geschaut und überlegt, ob die Kirche, die seit einem halben Jahrhundert das Dorfbild mitprägt, nicht doch noch gerettet werden kann.

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