Kein Abschied für immer aus Südafrika
Vorlesestunde: Katharina Große Halbuer hat ein Jahr lang in Südafrika gelebt und dort mit Kindern gearbeitet.

„Es ist unfassbar, wie viel ich in diesem Jahr erlebt habe und wie schnell es im Nachhinein vergangen ist“, sagt sie. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge wird Katharina Große Halbuer Mitte September wieder nach Deutschland zurückkehren und Kinder und Kollegen im Center sowie neu gewonnene Freundschaften zurücklassen. „Das wird aber definitiv kein Abschied für immer sein. Ich werde versuchen, so bald wie möglich zurückzukommen, dann aber, um Urlaub zu machen“, lacht Katharina. Während der Schulferien hatte die Beelenerin die Möglichkeit, Südafrikas Küsten bereisen zu können. Zuletzt im Juli standen ein Flug nach Johannesburg und eine anschließende Reise mit zwei anderen Freiwilligen in den Süden und die komplette Küste von Durban bis nach Kapstadt auf der Liste.

Südafrikas Vielseitigkeit von Millionenstädten und einsamen Landstrichen, von internationalen Backpackern und Übernachtungen bei Freunden in kleinsten Dörfern durften Katharina und ihre zwei Mitreisenden dabei erleben. „Die Reise hatte ihre Hindernisse, aber ich bin dankbar, noch einmal ein anderes Südafrika kennengelernt zu haben“, so Katharinas Fazit. Unvorhergesehen musste im Dunkeln ein platter Reifen am Straßenrand gewechselt oder zwei Stunden auf einer Schotterpiste gefahren werden. Des öfteren mussten die jungen Freiwilligen aus Deutschland mitten auf der Straße halten, weil Kühe, Esel oder andere Tiere den Verkehr auf unbestimmte Zeit lahmlegten.

Das Leben in Südafrika bietet seine ganz eigenen Anforderungen, die Katharina manches Mal herausgefordert haben. Beispielsweise die strengen Wassereinschränkungen Anfang des Jahres, da eine schlimme Dürre herrschte und der Wasservorrat hinter den Dämmen täglich schrumpfte. Die tagtägliche Begegnung mit Kriminalität und besonders der Umgang mit verschiedenen Hautfarben war eine spezielle Herausforderung. Auch über 20 Jahre nach Abschaffung der Apartheid sei der Unterschied im Umgang mit schwarzen oder weißen Menschen noch sehr deutlich spürbar und ein gerne diskutiertes Thema. „Ich habe diesbezüglich positive, aber auch ein paar negative Erfahrungen gemacht, missen möchte ich keine“, so Katharina.

Die Frage, ob sie es anderen jungen Menschen empfehlen würde, für eine gewisse Zeit ins Ausland zu gehen würde Katharina Große Halbuer sofort mit „Ja“ beantworten. Neue Länder und Kulturen kennenzulernen ist der Anfang zu einer offenen und vernetzten Welt, deswegen sei es wichtig, seine „Komfortzone“ zu verlassen und sich auf neue Dinge einzulassen. Ein Jahr sei dabei eine gute Zeitspanne, auf keinen Fall würde sie eine kürzere Zeit weggehen wollen. „Nach sechs Monaten habe ich erst richtig angefangen, mich in meinem Stadtteil wohlzufühlen. Ich habe im Supermarkt Menschen getroffen, die ich kannte, hatte meine Stammcafés und wusste bei der Arbeit endlich, welchem Kind welcher Rucksack und welche Brotdose gehören. Wäre ich nach einem halben Jahr schon wieder nach Hause geflogen, hätte ich den besten Teil meines Aufenthaltes definitiv verpasst.“

Einen Plan für die Zeit nach ihrer Rückkehr hat Katharina auch schon. Sie wird Pflege- und Gesundheitswissenschaften sowie Sozialpädagogik für das Berufsschullehramt studieren und damit ihren eigenen Ausbildungsberuf der Heilerziehungspflegerin unterrichten. Die Erfahrungen in Südafrika haben ihr geholfen und den Wunsch, weiter in der Behindertenhilfe zu arbeiten, absolut gefestigt.

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