Mutige Beelener wagen Abenteuer in den Alpen
Vier Männer, ein Ziel: (v. l.) Christian Niemann, Karl-Heinz Althues, Manfred Althues und Wolfgang Kottenstedte haben die „Königsetappe“ geschafft und den Col du Galibier bezwungen.

Respekt nötigt die Strecke den Fahrern ab, ist sie doch nur mit viel Wetterglück von Ende Juni bis Ende September befahrbar. Zusammen mit Christian Niemann und Wolfgang Kottenstedte haben sich Karl-Heinz und Manfred Althues sowie das „Service-Duo“ Susanne Niemann und Susanne Althues am letzten Augustwochenende auf den Weg gemacht, die sechs Etappen umfassenden Route über die Alpen anzutreten.

Der Weg führte von Vernayas nördlich von Martigny am Genfer See bis nach Nizza. Mit 96 Kilometern und moderaten Steigungen geht es für die Radsportfreunde während ihrer ersten Etappe vom 380 Meter hoch gelegenen Vernayas über den Col du Grand St. Bernhard (2473 Meter) bis nach St. Pierre westlich von Aosta. Belohnt werden die vier Männer mit einer kilometerlangen Abfahrt, die die Fahrer immer wieder unterbrechen müssen, um die von den vielen Bremsmanövern taub gewordenen Fingern zu massieren. Nach der letzten Steigung kehren sie in ein versteckt gelegenes Hotel ein.

Am kommenden Tag passieren die Vier den italienisch-französischen Grenzübergang über den Col du Petit St. Bernhard (2188 Meter). Etappenziel ist nach 84 Kilometern das beschauliche Örtchen Sainte Foy Tarentaise. Vorher erhaschen die Radrennfahrer immer wieder einzigartige Blicke auf das schneebedeckte Mont-Blanc-Massiv.

Die nächste Herausforderung folgt auf dem Fuß: Nachdem die Gruppe das 1000-Seelen-Dorf Sainte Foy Tarentaise hinter sich gelassen hat, führt die Strecke über den zweithöchsten für den öffentlichen Verkehr befahrbaren Alpenpass, den 2770 Meter hoch gelegenen Col de L‘Iseran. Es geht durch mehrere Tunnel, die zum Teil nicht ausgeleuchtet sind, hinauf auf den Pass, der mit zehnprozentigem Steigungsniveau seinem Namen alle Ehre macht. Hoch oben auf dem Pass angekommen, wartet ein unvergleichlicher Panoramablick die Radler aus Beelen. Nach einer Rast geht es weiter zum Etappenziel nach St.Michel-de Maurienne.

Rührende Szenen auf der Passhöhe

Endlich ist sie da: die „Königsetappe“. Obwohl sie mit 71 Kilometern am kürzesten ausfällt, steigt die wenig befahrene Straße zum Col du Telegraphe (1566 Meter) mit zehn Prozent deutlich stärker an, als es die straßenbegleitenden Markierungssteine suggerieren wollen. Lediglich ein kleines Hinweisschild verweist nach zwölf Kilometern auf die Passhöhe. Für die Radler geht es bergab.

Nach einer kurzen Stärkung in Valloire wappnen sie sich für den folgenden 17,5 Kilometer langen Anstieg zum Col du Galibier. Und der hat es in sich: Zwischen zehn und 14 Prozent beträgt die Steigung. „Es ist schon erstaunlich, wer sich und zum Teil mit schwer bepackten Tourenrädern den Pass hinaufquält“, erinnert sich Manfred Althues.

„Auf der Passhöhe kam es zu rührenden Szenen: Wildfremde Fahrer lagen sich in den Armen und gratulierten sich zur erbrachten Leistung. Der Mythos des durch die Tour de France bekannten Passes lebt.“ Nach einer Pause fahren die Beelener weiter, 35 Kilometer bis zum Etappenziel Briancon. Dort schieben die Fahrer ihre Rennleezen an der Hotelrezeption vorbei, durch den Frühstückssaal über eine schmale Treppe hinunter in den Weinkeller. Dort werden die Fahrräder gut gesichert untergestellt. Schon am Abend ziehen dunkle Wolken auf, auch der Wetterbericht verheißt nichts Gutes.

Am kommenden Morgen ziehen Nebelschwaden vorbei, es regnet Bindfäden. Aus Angst, bei den bevorstehenden Abfahrten bei Nässe unkontrolliert ins Nichts zu fahren, entschließen sich die Vier, die Räder mit dem Pkw nach Jausiers zu bringen.

Heftige Regendusche kurz vor Nizza

130 Kilometer ist die letzte Etappe lang, das Ziel: Nizza. Doch erst müssen die Männer das Dach der Route überwinden, den 2802 Meter messenden Col de la Bonnette. Der Wettergott hat ein Einsehen mit den Abenteurern und schickt Sonnenschein. Kilometer um Kilometer zieht sich die Straße durch die unwirtliche Gegend. Die Steigung liegt bei zehn bis 14 Prozent.

Die Gruppe trennt sich aufgrund verschiedener Geschwindigkeiten. Etliche Minuten warten Manfred Althues zusammen mit Christian Niemann auf Karl-Heinz Althues und Wolfgang Kottenstedte. Auf dem Pass herrschen lediglich 2,5 Grad, ein steifer Wind weht den Fahrern um die Nase. Mit Handschuhen und gewechselter Wäsche präparieren sich die Männer, bevor es 25 Kilometer hinunter nach St.-Etienne-de Tinnée geht. Dort fahren sie nach einer Stärkung weiter. Der Rückenwind beschleunigt die Fahrt.

Nach einer kurzen Regendusche passiert das, was alle gefürchtet haben: Wolfgang Kottenstedte erwischt einen Plattfuß am Vorderrad. Er kann sein Rennrad mit viel Geschick zum Stehen bringen. Schnell geht der Schlauchwechsel vonstatten, passiert ist glücklicherweise nichts. 30 Kilometer vor Nizza entlädt sich eine Gewitterfront über den Männern. Das Verkehrsaufkommen nimmt dramatisch zu, die Beelener geraten direkt in die Rushhour der Metropole. Jetzt heißt es, Ellenbogen ausfahren.

Endlich erreichen die Vier die „Promenade des Anglais“, die strandbegleitende Straße in Nizza. Selbst einen Radweg gibt es entlang der zehnspurigen Straße. An der Promenade treffen die Männer auf Susanne Niemann und Susanne Althues. Das Abenteuer ist geschafft.

„Erschöpft und stolz sind wir auf uns, ein unvergessliches Erlebnis liegt hinter uns. Ein besonderer Dank gilt den beiden Susannes, die immer dann zur Stelle waren, wenn wir sie brauchten“, resümiert Manfred Althues.

SOCIAL BOOKMARKS