Nach Wutausbruch wird Wirt als Nazi betitelt
In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben bislang nicht ermittelte Täter mindestens 60 Aufkleber auf zwei Wagen und die Imbisstür geklebt. Thomas Tamm konnte sie rückstandslos von seinem Eigentum entfernen.

Drei kurze Sätze haben gereicht. Drei Sätze, in denen sich Thomas Tamm am 27. September den Frust von der Seele geschrieben hat. In denen der Gastronom das in seinen Augen unmögliche Verhalten einiger Asylbewerber, die Gäste in seinem Betrieb waren und sind, thematisiert. „Ich stehe dazu, was ich geschrieben habe“, sagt der Beelener und erzählt von den Sachbeschädigungen in seinem Imbiss, von den Verschmutzungen vor allem der sanitären Anlagen und dem respektlosen Verhalten einiger Gäste mit Fluchthintergrund gegenüber seiner fünf Mitarbeiterinnen. Darüber, wie sich in den vergangenen Wochen die Situation mit den Flüchtlingen zugespitzt habe, wie sie Pommes frites unter die Tische geworfen und Mayonnaise in die Sitzpolster gerieben haben. Es seien viele Kleinigkeiten gewesen, die sich im Laufe der vergangenen Wochen angestaut haben, sagt Tamm. „Ich bin nicht der Typ, der sofort lospoltert. Doch was zuviel ist, ist zuviel.“

Am Anfang, so sagt Tamm, habe er noch versucht, den auffällig gewordenen Gästen, die kein Deutsch und kaum Englisch sprechen können, zu erklären, wie sie sich in seinem Imbiss zu verhalten haben. Dass es eben nicht geht, den Müll einfach vor die Theke zu werfen. „Das verstehen die nicht“, sagt der Gastronom. Ob er sich an die Betreiber der Notunterkunft in der ehemaligen Von-Galen-Schule, das DRK Warendorf, sowie an die Gemeindeverwaltung Beelen gewandt habe, um dieses Problem zu thematisieren und womöglich mit Hilfe eines Dolmetschers aus der Welt zu schaffen? „Nein, daran habe ich gar nicht gedacht“, gesteht der Beelener. Zukünftig, so sagt er, wolle er diese Möglichkeit der Konfliktbewältigung durchaus in Betracht ziehen.

Tagelang habe es in ihm rumort, der Frust wurde immer größer. Dann postete Tamm eben diese drei Sätze auf Facebook, die er selbst in der Wortwahl „burschikos“ nennt. Von „Asylis“, die wie „Schweine fressen“ hat er geschrieben, gegen Ausländer hetzen habe er aber nicht wollen, beteuert der Gastronom. Weil sein Facebook-Profil öffentlich ist, also jeder User mitlesen kann, blieb der Post nicht lange unentdeckt. Am Sonntag ereilte Thomas Tamm das Echo auf seine Äußerungen: Bislang nicht ermittelte Täter haben seine zwei Pkw und die Eingangstür seines Betriebs mit mindestens 60 Aufklebern beklebt. Die unmissverständliche Botschaft: „Gegen Nazis“. Entdeckt hat er die Aufkleber gegen 7.30 Uhr, um 7.51 Uhr hat er die Bilder mit einem entsprechenden Kommentar im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht. Dabei stellt er in einem weiteren Posting klar, dass er nicht ausländerfeindlich sei, ganz im Gegenteil. „Ich nehme alle Menschen so, wie sie sind. Mir ist egal, aus welchem Land sie stammen“, sagt Tamm im Gespräch mit der „Glocke“.

Mit dem zweiten Post in diese Richtung erhofft sich der Beelener Hinweise auf die Täter, die seine Autos und Ladentür beklebt haben. Doch statt dieser Informationen erhält Thomas Tamm Hinweise, die er ebenfalls im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht. Zwei Elternpaare sowie einige Gäste hätten sich unabhängig voneinander bei ihm gemeldet und behauptet, dass ihre Kinder und andere Jugendliche von einer Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung Beelen mit eben diesen Aufklebern ausgestattet und zudem aufgefordert worden seien, diese auf Türen und Autos von Personen zu kleben, die sich kritisch gegenüber Ausländern und Flüchtlingen geäußert hätten. Einen Namen nennt Thomas Tamm nicht, in seinem Facebook-Post, der inzwischen gelöscht ist, spricht er von „einer bekannten Dame der Gemeindeverwaltung“.

15 Mitarbeiterinnen arbeiten in der Verwaltung. Mit dem Vorwurf, dass eine von ihnen Jugendliche dazu aufgefordert haben soll, eine Straftat zu begehen, werden alle beschuldigt.  Betroffen mache Bürgermeisterin Elisabeth Kammann die Beschuldigungen, die erhobenen Vorwürfe weist sie entschieden zurück. Um den Sachverhalt juristisch zu prüfen und damit zu klären, hat Kammann, von Beruf Rechtsanwältin, Strafanzeige gegen Unbekannt und Strafantrag gestellt. „Sollten im Ergebnis die Anschuldigungen haltlos sein, behalte ich mir vor, weitere rechtliche Schritte einzuleiten“, betont die Erste Bürgerin.

Es handelt sich hierbei um eine gekürzte Version. Den gesamten Artikel lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der „Glocke“.

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