Rehbaum bringt Zerstrittene an einen Tisch
Bild: Stempfle
Die Schiedsfrau Marlies Rehbaum kümmert sich in erster Linie um Streitigkeiten zwischen Nachbarn. Ihre Erfolgsquote liegt bei 90 Prozent.
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Das Wichtigste dabei: „Ich bin vollkommen unparteiisch“, betont die Beelenerin, die schon seit fünf Jahren ehrenamtlich als Schiedsfrau arbeitet. Gerade hat der Rat der Gemeinde ihre Tätigkeit für weitere fünf Jahre bestätigt („Die Glocke“ berichtete).

Wenn der Hund von nebenan die Nacht durch bellt, Baumzweige des Nachbarn verhindern, dass genug Sonne auf die eigenen Terrasse scheint, sich jemand von einer Äußerung beleidigt fühlt oder der Nachbar sich jeden Sonntagmorgen um 6 Uhr dazu entschließt, seinen Rasen zu mähen: Die Fälle, mit denen sich Marlies Rehbaum beschäftigt, sind so unterschiedlich und facettenreich wie das menschliche Leben.

Entscheidet das Amtsgericht Warendorf, dass ein angezeigter Vorgang besser bei der Schiedsfrau aufgehoben ist, wendet sich der Kläger direkt an die Beelenerin. „Bei einem ersten Gespräch nehme ich den Sachstand auf, fülle Formulare aus und lade den Antragsgegner zu einem gemeinsamen Gespräch“, erklärt Marlies Rehbaum den üblichen Vorgang. Doch die Einladung ist nicht unverbindlich, wie bei Gericht handelt es sich dabei um eine Vorladung mit Zustellungsurkunde.

„Meine Aufgabe ist es, die betroffenen Parteien an einen Tisch zu bekommen“, sagt sie. „Dann kann jeder seine Sicht der Dinge schildern.“ Und weil ein Gespräch auf neutralem Boden oftmals unproblematischer abläuft, hat sich die Beelenerin im ersten Geschoss ihres Wohnhauses für eben diesen Zweck ein Büro eingerichtet. Die Schiedsfrau selbst hält sich während des Gesprächs zurück und übernimmt die Rolle eines Mediators. Ziel sei es, dass die zerstrittenen Parteien selbst eine Lösung für ihr gemeinsames Problem finden. „Dabei müssen sich beide jedoch auf halben Weg entgegenkommen“, betont Marlies Rehbaum.

Fingerspitzengefühl, Menschenkenntnis und Gerechtigkeitsempfinden sind die Voraussetzungen für eine Schiedsperson. Seminare, die von den Kommunen bezahlt werden, informieren die Schiedsleute über juristische und formelle Sachverhalte. Und weil Marlies Rehbaum noch einen Stellvertreter sucht, hofft sie, dass sich Interessierte bei der Gemeindeverwaltung melden.

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