Storno: Nachtschicht nach Jamaika-Aus
Bild: Wiengarten

Sie schlagen satirisch zu: Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther liefern in Storno 2017 einen hochprozentigen Cocktail aus intelligenter Analyse mit brüllend komischem Zusammenspiel und beeindruckender Musikalität.

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Die präsentierten in gewohnt bissiger und wortgewandter Manier ihre Jahresabrechnung. Die Kabarettisten feuerten einen Gag nach dem nächsten auf das Publikum ab. Beim Schenkelklopfen mussten die Zuhörer aufpassen, nicht das Bein des Sitznachbarn zu treffen.

In Beelen fand am Dienstag die vierte und letzte Vorpremiere von Storno statt, am Wochenende geht es dann richtig los: 200 Auftritte liegen jetzt vor dem eingespielten Trio. Dabei werden Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther sicherlich auf größere Spielorte treffen, ob sie allerdings überall so ein leckeres Rotkohlsüppchen mit einem ebenso appetitlichem Nachtisch serviert bekommen werden, darf bezweifelt werden. Die drei Akteure mussten im Kreisel ihre Köpfe einziehen, wenn sie auf die Bühne kamen, dafür konnten sie die Zuschauer in den ersten Reihen fast anfassen.

Wer die Storno-Abrechnung kennt, weiß wie man auch Krisenjahre mit angemessenem Gelächter ausklingen lässt. Am Montag, so die Kabarettisten Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther im Gespräch mit der „Glocke“, habe man eine Nachtschicht eingelegt, um das Scheitern der Jamaika-Koalition noch topaktuell im Programm haben zu können. „Die neue Situation auf der bundespolitischen Bühne brachte viel Arbeit für uns“, erklärten die Storno-Männer. Das Wahlergebnis an sich freute vor allem Harald Funke, der immer wieder Angela Merkel parodiert: „Da brauche ich mir wenigstens keine neue Perücke anschaffen.“

Die Künstler gaben in Beelen alles. Kleine Pannen wurden leichtfüßig überspielt, da machte es auch nichts, dass die Vorstands-Frauen des Kulturkreises zu Landfrauen wurden, der Strom ausfiel und Philipzen im Eifer des Gefechtes mit dem Fuß einen Lautsprecher von der Bühne fegte. Auf der engen Bühne bewegten sich die Künstler oft genug nur wenige Millimeter vor dem „Abgrund“, aber sie boten ein Feuerwerk der Spitzenklasse.

Lindner als Heidi Klum der Politik

Bei der Storno-Abrechnung bekam fast jeder sein Fett weg. Aus Donald Trump, dem „Dilettanten im Weißen Haus“ komme „mehr heiße Luft heraus als aus dem besten Föhn“, spotteten die drei. Sie nahmen die immer häufiger fliegenden Drohnen aufs Korn, und selbst Martin Luther spielte eine Rolle im Programm. Der habe zumindest dafür gesorgt, dass in Pfarrhäusern auch Kinder geboren werden dürften, denn „sonst hätten wir unsere Angie ja nicht“.

In der Zusammenarbeit mit der Bundeskanzlerin gehe es zu wie in einer guten Ehe: Bedingungslose Unterwerfung sei angesagt. Deftig und kräftig ging es weiter. Christian Lindner wurde als „Heidi Klum der Politik“ bezeichnet: „Hast du erst die Haare schön, musst du nicht mehr auf Inhalte sehn.“ Das Wahlkampfprogramm der AfD sei so vernünftig wie eine Eheberatung im Puff. So ging es drei Stunden lang. Schlag auf Schlag kamen die Pointen.

Maria Kemper, die Vorsitzende des Kulturkreises, dankte am Ende dem Trio und gab der Hoffnung Ausdruck, Harald Funke, Thomas Philipzen und Jochen Rüther auch 2018 wieder in Beelen begrüßen zu dürfen. Die drei Ausnahmekünstler sagten schon am Dienstag zu.

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