Vom Flüchtling zum „fremden Deutschen“
Bild: Wiengarten
Dr. Umeswaran Arunagirinathan wollte mit seiner Lesung um mehr Verständnis für Flüchtlinge werben und zugleich Flüchtlinge ermutigen, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren.
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Am Montag ließ Chirurg und Autor Umeswaran Arunagirinathan im katholischen Pfarrheim rund 60 Zuhörer an seiner Geschichte teilhaben.

Er erzählte sie spannend, authentisch, sympathisch, bunt und eindrucksvoll. Pfarrer Norbert Happe fand bei seiner Begrüßung passgenaue Worte, er hatte sich bereits im Vorfeld mit dem Buch beschäftigt und zitierte aus der ersten Seite eine Aussage von Nelson Mandela.

Seine monatelange Fluchtodyssee beschrieb der Autor in seinem ersten Buch „Allein auf der Flucht“ aus dem Jahr 2006. Diese Geschichte erzählte er frei, ohne aus dem Buch zu lesen. Nun hat er mit „Der fremde Deutsche – Leben zwischen den Kulturen“ eine Fortsetzung geschrieben, nämlich über sein Leben in der Bundesrepublik, als Staatsbürger mit deutschem Pass und dennoch wahrgenommen als Fremder.

Der ehemals unbegleitete Flüchtling, von seinen Patienten kurz Dr. Umes genannt, hat soeben seine Facharztausbildung zum Herzchirurgen am Rhön-Klinikum in Bad Neustadt/Unterfranken mit Erfolg abgeschlossen. Dafür bekam er am Montag Beifall.

Doch Arunagirinathan hat auch Ablehnung und Diskriminierung erlebt, und berichtete darüber, ohne anzuklagen, ohne zu verallgemeinern. In Diskotheken werde ihm der Einlass verwehrt, Patienten lehnten es ab, von dem dunkelhäutigen Arzt behandelt zu werden. Paradox, denn besonders Krankenhäuser im ländlichen Raum sind auf Ärzte und Pflegepersonal aus dem Ausland dringend angewiesen.

Dr. Umes erzählte von seiner Kindheit auf Sri Lanka mit Bürgerkrieg, Angst und Einschränkungen, vom Tod seiner Schwester und der Verzweiflung der Eltern sowie seiner Flucht mit elf Jahren mit Hilfe eines Schleppers. „Eine Flucht ist immer illegal. Die Möglichkeit einer legalen Flucht gibt es nicht“, machte er den Zuhörern klar. Man könne nicht zur deutschen Botschaft in die Hauptstadt Colombo gehen und dort eine Flucht beantragen.

Mehr zum Thema in der Donnerstagsausgabe der „Glocke“.

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