Zeichen gesetzt für die Seebrücke
Foto: Wiengarten
Pfarrer Happe zählte zu den Rednern.
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Die meisten Demonstranten waren in Oelde gestartet, hatten in Ostenfelde eine Pause eingelegt und erreichten die Axtbachgemeinde einige Zeit später. Angeführt wurde die Radtour unter anderem von Ellen Kröger aus Oelde, die eine Ansprechpartnerin für Beelen bei Aktionen der Seebrücke zusammen mit Uschi Gang ist. Als es später weiter Richtung Warendorf ging, war die Gruppe durch die Beteiligung vieler Beelener erheblich angewachsen.

Bei der Aktion Seebrücke geht es um Flüchtlingsarbeit und Willkommenskultur. Die Beelener, die sich der Initiative verbunden fühlen, erwarteten die Radfahrer mit kostenlosen kühlen Getränken. Einige Frauen, die aus Syrien und Sri Lanka stammen, hatten kleine Tüten mit süßem oder herzhaftem Gebäck nach Rezepten ihrer Heimat vorbereitet. Gisela Kohkemper und Elisabeth Hassa hatten den Eine-Welt-Laden vor der Kirche aufgebaut.

Dort konnten alle Radfahrer bei Bedarf noch andere Produkte kaufen. Elisabeth Wiengarten und Mechtild Brendebach vom Runden Tisch Asyl der Kirchengemeinde hatten Seebrücken-T-Shirts und Jutetaschen der Aktion besorgt. Leider konnten sie nur eine begrenzte Anzahl ergattern. Willi Strotmeier und einige andere, die federführend die Beelener Aktion unterstützen, fuhren dann in Orange nach Warendorf weiter. Organisiert hatte die Demonstration die Initiative Seebrücke Gütersloh-Oelde, die sich Ende 2018 gegründet hat. Die Aktivisten machen seitdem auf das tausendfache Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer aufmerksam. Einen sicheren Hafen für Geflüchtete schaffen, das ist das Anliegen der Aktion Seebrücke.

Das überregionale Aktionsbündnis konnte jetzt Radfahrer aus 19 Städten und Gemeinden des Münsterlandes für die Demonstration zusammenbringen. Das Ziel: die aktuellen Anträge zum Sicheren Hafen für Geflüchtete zu unterstützen und Menschen zum Handeln zu motivieren. Ferner wollte man ein starkes Zeichen an die Kommunen setzen, in welchen die Anträge, sich zum Sicheren Hafen für Flüchtlinge zu erklären, bislang abgelehnt wurden.

Pfarrer Norbert Happe hatte gerade den kleinen Joris Westmeyer getauft, als er vor das Kirchenportal trat und die Demonstranten begrüßte. „Solidarität kennt keine Grenzen“, rief er ihnen zu und verlas einen Text von Gisela Baltes mit dem Titel „Der Lazarus vor deiner Tür“. Man könne nicht hinnehmen, was nicht hinzunehmen sei, betonte der Priester. Deshalb müsse auch Beelen zu einem Sicheren Hafen werden. Bereits 650 Menschen seien in diesem Jahr im Mittelmeer ertrunken. Das Rettungsschiff „Seawatch“ werde immer wieder am Auslaufen gehindert oder festgelegt.

Dieter Lohmann hatte die Fahrraddemo zum Anlass genommen, ein Gedicht zu verfassen. In ihm heißt es unter anderem: „Ihr gebt ein deutliches Zeichen: Mit Eurer Sternfahrt wollt Ihr erreichen, dass überall an allen Orten, alle Menschen, nicht nur mit Worten, der tiefen Not der Menschen gedenken, die ihre Wege zu uns hier lenken, die mit Angst und großen Sorgen, ohne Aussicht auf ein Morgen, auf schwankendem Kahn der Freiheit entfliehen, auf gefährlichen Wegen zu uns ziehen.“ Man gebe gern vor, Leid zu lindern, und bemühe sich oft nur, Flucht zu verhindern, gab der Dichter weiter zu bedenken, der für seinen Beitrag viel Beifall erhielt. „Lasst uns versuchen, Leben zu retten“, lautete abschließende Appell von Dieter Lohmann.

Yousief Mulugeta, der vor wenigen Jahren die gefährliche Reise von Eritrea nach Europa antrat, erzählte in knappen Worten von seiner Flucht über das Mittelmeer. Er unternahm sie als 15-jähriger Jugendlicher. Als er in Beelen ankam, sprach er kaum Deutsch. Jetzt hielt er seine Rede frei und in wohlgesetzten Worten. Der junge Mann macht eine Ausbildung beim Landmaschinenbetrieb Feuersträter. Niemand verlasse freiwillig seine Heimat, immer gebe es schwerwiegende Gründe dafür, so sein Fazit. In Beelen habe er bei Pfarrer Happe und einigen weiteren Bürgern einen sicheren Hafen gefunden, wofür er sehr dankbar sei. Abschließend: „Ich wünsche mir, dass alle Menschen auf der Flucht sichere Häfen finden denn ich weiß, wie schrecklich es ist auf der Flucht zu sein.“

Pfarrer Happe verabschiedete die demonstrierenden Radfahrer mit den Worten: „Ich danke Ihnen für Ihr Kommen, weil Sie uns zum Nachdenken gebracht haben. Die Welt ist bunt, wie die Fahnen, die vor unserer Kirche im Wind wehen“. Die Aktion wird sich weiter für „Sichere Häfen“ einsetzen. Die Signale lauten, dass Geflüchtete in den Kommunen willkommen und diese bereits sind, mehr Menschen aufzunehmen, als sie müssen. Der Abschluss der gesamten Veranstaltung, an der viele Städte des Münsterlandes beteiligt waren, war für Sonntag in Münster geplant.

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