Zeugen sagen im Rollstuhl-Mordprozess aus
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Der Angeklagte mit seinem Rechtsanwalt Andreas Tinkl aus Münster
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Darüber hinaus ist nicht bewiesen, ob die im Zimmer des 50-jährigen Angeklagten aus Oelde gefundene Bargeldsumme von 15 000 Euro tatsächlich aus dem Haus des 71-jährigen Opfers stammt. Einen Hinweis darauf, ob der am 23. Dezember 2017 gewaltsam zu Tode gekommene Rentner stattliche Bargeldbeträge in seinem Haus zu horten pflegte, ergaben sich nicht.

DNA an Holzstück

Dem Mann war an diesem Samstag der Schädel eingeschlagen und mit einem Küchenmesser in den Rücken gestochen worden. DNA-Spuren des Angeklagten hatten die Ermittler an Holzstücken gefunden. Die 51-Jährige Friseurin, die in den 1980er-Jahren mit dem Opfer sieben Jahre lang liiert gewesen war, beschrieb den 71-jährigen Rollstuhlfahrer als „jemanden, der wusste, was er wollte.“ Die Oelderin hatte noch am Tattag Kontakt zu dem Opfer. „Um 9.30 Uhr hat er mich angerufen“, gab sie zu Protokoll. Sie sei an diesem Tag sehr beschäftigt gewesen, habe sich kurz gehalten und habe um 17.15 Uhr den Beelener zurückgerufen. Weder am Festnetz noch über das Handy habe sie ihn erreicht, um einen Termin zum Haareschneiden zu vereinbaren. Regelmäßig habe sie ihren Ex-Freund besucht, sagte sie. Bei einem der letzten Treffen sei ihr im Flur ein Gegenstand aufgefallen, „der mir Angst gemacht hat.“ Dabei könne es sich um einen mit Metall beschlagenen Baseball-Schläger gehandelt haben, den die Ermittler nicht gefunden haben und den der Verteidiger möglichen Tatwaffen zuordnete. Ein solches Gerät hat der aus Polen stammende Mieter des Mordopfers nie in dem Haus an der Letter Straße registriert. Der 49-Jährige, der zur Tatzeit in Polen weilte, hatte den Angeklagten – ein Jugendfreund – und das spätere Opfer im Herbst 2017 miteinander bekannt gemacht, weil der 71-Jährige eine Kraft für den Außenbereich des Hauses gesucht hatte. Der Angeklagte sei in der Regel mit dem Fahrrad von Oelde angereist, um seine Aufträge beim Rentner zu erledigen.

Komisches Verhalten

Unabhängig voneinander beschrieben zwei Oelderinnen gestern vor Gericht einen Radfahrer, der sich in der Beelener Bauerschaft am 23. Dezember 2017 „auffällig verhalten hat“. In der unmittelbaren Nähe des Tat- und Wohnorts hatte der Gesuchte „zwischen 9.15 und 9.45 Uhr etwas in einer Tasche verschwinden lassen“, um anschließend eine Joggerin durch seine Verhaltensweise zu verunsichern – fast zu nötigen. Diese gesuchte Person fuhr ein Damenrad, der Angeklagte eine Ausführung für Männer. Am Montag wird der Prozess fortgesetzt. Dann haben Gutachter das Wort.

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