Zirkusfamilie: Jeden Tag eine Generalprobe
Bild: Hartmann
Tierdressuren, Clowns und Akrobatik lassen die Zuschauer für einige Stunden ihren Alltag vergessen. Für (v.l.) Taylo, Jessica und Dana von der Familie Tränkler stehen beim Zirkus jedoch die Arbeit und das tägliche Üben im Vordergrund.
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„Die Glocke“ hat beim Circus Verona der Familie Tränkler, der in der Gemeinde gastierte, hinter die Kulissen geschaut und einen Einblick in den Alltag erhalten.

Morgens um 7 Uhr geht es täglich mit einem gemeinsamen Frühstück los, erklärt Jessica Tränkler. Ab 11 Uhr beginnen die Generalproben. Nachmittags und abends strömen die Besucher zu den Vorstellungen ins Zelt. „Man ist an die Arbeit gebunden“, macht die 19-Jährige deutlich. Feierabend ist für Familie Tränkler ein Fremdwort. Schließlich gebe es „immer viel zu tun und jeder muss mit anpacken, sonst würde es nicht funktionieren“. Im Sommer zieht das 40-köpfige Familienunternehmen, das nun schon seit sieben Generationen besteht, durch verschiedene Städte. Im Winter haben sie sich auf Auftritte in Seniorenheimen und Schulen spezialisiert.

Der Alltag der Zirkusleute ist vor allem durch Training geprägt. „Es dauert sehr lange, bis man eine Nummer einigermaßen kann“, sagt Jessica Tränkler und präzisiert: „Ungefähr ein Jahr.“ Jeden Tag etwas zu üben, sei anstrengend und „natürlich sagt man manchmal ,Ich will nicht mehr’“. Letztendlich sei aber immer der Ehrgeiz und die Freude an der Arbeit größer. Das motiviere die Artisten. Sie selbst war für zwei Jahre an der Artistenschule in Berlin und lernte Fuß-Antipodistik, das Balancieren von Gegenständen mit den Füßen.

Auch die jüngeren Familienmitglieder sind in die Aufführungen miteinbezogen. Die zwölfjährigen Zwillinge Dana und Taylo treten beispielsweise mit Bodenakrobatik oder als Clown auf. Neben dem Lernen von Kunststücken steht aber auch der normale Schulunterricht bei Zirkuskindern auf dem Programm. Dafür ist zweimal pro Woche die von der evangelischen Kirche gegründete Zirkusschule zu Besuch. Der übrige Lernstoff wird den Kindern per Fernstudium übers Internet vermittelt.

Für die meisten Menschen ist das Leben von Jessica Tränkler ungewöhnlich und unvorstellbar. Sie würde dagegen nie tauschen wollen: „Ich bin praktisch hineingeboren worden und kenne es nicht anders“, versucht sie zu erklären. Außerdem sei es „schön, an jedem Ort neue Freunde kennenzulernen, auch wenn man schnell wieder weiterzieht“.

Neben den Artisten zählen auch 30 Tiere, darunter Hunde, Ziegen, Pferde, Lamas und Kamele, zum Circus Verona. Deswegen bekommt Familie Tränkler wie gleichermaßen andere Zirkusse auch von Tierschützern Kritik zu hören. „Darauf lassen wir uns aber nicht ein“, erwidert Jessica Tränkler bestimmt. Natürlich gebe es überall schwarze Schafe, aber der Circus Verona werde „jede Woche vom Veterinäramt geprüft und alles ist in Ordnung“. Abgesehen davon könne man nicht mit Tieren arbeiten, wenn man sie schlecht behandele.

„Es gibt noch viel zu tun“, verabschiedet sich Jessica Tränkler. Schließlich geht es für sie und ihre Familie nach den Vorstellungen in Beelen direkt weiter nach Münster-Hiltrup.

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