Abriss der Jakobuskirche unumgänglich
Bild: Helmers
Mit einer unangenehmen Entscheidung Schlimmeres verhindern: Die Jakobuskirche Westkirchen wird jetzt abgerissen, damit die Gemeinde nicht später in eine Haushaltssicherung rutscht. Das betonen Pfarrer Herwig Behring (l.) und Presbyter Martin Müller, die zum zwölfköpfigen Leitungsgremium der Evangelischen Kirchengemeinde Warendorf gehören. In die Frage, wie es weitergeht, wollen sie die Gemeindemitglieder einbeziehen.
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„Das war eine bittere Nachricht für die Gemeindemitglieder“, sagt der evangelische Pfarrer. Aber die Gemeinde könne die Gebäude an der Feldstraße nicht mehr finanzieren („Die Glocke“ berichtete). Die Geldmittel sind laut Behring übersichtlich: Pro Gemeindemitglied und Jahr stehen ihr etwa 50 Euro zur Verfügung. Davon müssen unter anderem Personal bezahlt und Gebäude unterhalten werden.

Die Entscheidung habe sich das Leitungsgremium, dem die Pfarrer und Presbyter angehören, nicht leicht

Gottesdienste, Kreativkreis, Café West: Wie sieht die Zukunft der Evangelischen Gemeinde in Westkirchen aus? Darüber will die Gemeinde am Dienstag, 25. März, mit den Mitgliedern sprechen. Beginn der Versammlung ist um 19 Uhr in der Jakobuskirche. Es geht dabei nicht nur um die Schließung, sondern auch um den Weg bis dahin. Der Entwidmungsgottesdienst beginnt am Sonntag, 29. Juni, um 11 Uhr in der Jakobuskirche.
gemacht. Weil die finanzielle Lage schon lange nicht mehr rosig ist, hatte eine Architektin alle Gebäude der Kirchengemeinde Warendorf überprüft. Das Gemeindezentrum in Westkirchen schloss am schlechtesten ab. Dabei hätte 2014 ein Jubiläum gefeiert werden können: Vor 50 Jahren wurde der Gebäudekomplex errichtet. „Aber mit der Sparbauweise, die damals üblich war, ist er eine energetische Katastrophe“, sagt Presbyter Martin Müller.

Für die rund 400 evangelischen Menschen in Westkirchen sei der bevorstehende Abriss bitter, betont Müller, dessen Tochter in der Jakobuskirche konfirmiert wurde. „Aber wenn wir die Entscheidung nicht getroffen hätten, hätten wir als Leitungsgremium versagt.“ Denn wie Kommunen könne auch Kirchengemeinden eine Haushaltssicherung drohen, wenn sie in eine finanzielle Schieflage gerieten. „Dann wären wir nicht mehr autark, und der Kirchenkreis Münster würde die Entscheidungen treffen“, erklärt Pfarrer Herwig Behring.

Auch für den Abriss gebe es keine Alternative, sagt Presbyter Martin Müller. „Wir haben zusammen mit Gemeindemitgliedern alle möglichen Nutzungen diskutiert. Vom generationsübergreifenden Wohnen über Gastronomie und Auktionshaus bis zum Ausstellungsraum für Oldtimer: Es gab viele Ideen, aber keine lässt sich hier umsetzen.“

Die Tür wird also zugeschlagen, aber ein Fenster ist bereits geöffnet. Was zur Bauzeit des Gemeindezentrums undenkbar gewesen wäre, ist heute möglich: Die Wortgottesdienste können im katholischen Pfarrheim St. Laurentius in Westkirchen gefeiert werden. „Wir dürfen dort zu Gast sein. Das ist ein gutes Gefühl“, sagt Pfarrer Herwig Behring. „Die ökumenischen Beziehungen sind gut. Wir sitzen alle in einem Boot.“

Große Sorgen hat sich Pfarrer Herwig Behring darüber gemacht, wie die Gläubigen das Aus der Jakobuskirche aufnehmen werden. „Das kann Risse in einer Gemeinde verursachen“, sagt der evangelische Geistliche. „In Westkirchen waren die Gläubigen zwar traurig. Aber es gab kein böses Wort.“ Die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche eröffne neue Wege. „Aber das kann das, was war, nicht aufwiegen. Wir tun nicht so, als ob der Abriss nicht weh täte.“ Er sei nicht Pfarrer geworden, um Gemeindezentren zu schließen. „Aber Menschen müssen manchmal durch Tiefen hindurch. Dort begegnen sie Gott. Das macht den Glauben aus.“

Nach den ersten bitteren Gefühlen überwiegt auch bei Presbyter Martin Müller die Erleichterung darüber, dass eine Entscheidung gefällt ist. „Vor den finanziellen Problemen konnten wir die Augen nicht weiter verschließen.“

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