Abrissbagger besiegelt Ende von St. Ludgerus
Bild: Rautenstrauch
Viel ist nicht mehr von der ehemaligen St.-Ludgerus-Kirche zu sehen. Bis Anfang kommender Woche sollen auch die Reste des einstigen Kirchenschiffes abgerissen werden. Das Bild zeigt (v. l.) Abruchunternehmer Günter Meyer, Pfarrer Andreas Dieckmann und Architekt Ron Heiringhoff.
Bild: Rautenstrauch

Beobachter des Geschehens sind an diesem Vormittag nicht nur Pfarrer Andreas Dieckmann und Architekt Ron Heiringhoff. Hinter dem Bauzaun am Rand des 7300 Quadratmeter großen Kirchengeländes mit dem ehemaligen Pfarrzentrum haben sich wieder zahlreiche Schaulustige versammelt. In angeregter Unterhaltung oder still, mit Tränen in den Augen und Erinnerungen an ihre Kirche versunken, häufig auch mit einer Kamera in der Hand, verfolgen sie die Abrissarbeiten.

Beim Zuschauen bleibt es aber zum Leidwesen von Günter Meyer und seinen Mitarbeitern nicht. Meyers Unternehmen aus Neubeckum ist mit den Abrissarbeiten beauftragt. „Ich habe nichts gegen die Leute und verstehe, wenn sie über den Verlust von St. Ludgerus traurig sind. Wenn sie aber von uns verlangen, Betonstücke als Erinnerungsstücke zurückzulegen oder über den Zaun zu reichen, hört der Spaß auf.“ Pfarrer Dieckmann und Architekt Heiringhoff sorgen sich zudem um die Sicherheit der Leute, die ohne Erlaubnis die Baustelle betreten. „Wir möchten, dass niemanden etwas passiert, deshalb ist der Zutritt verboten“, betont Pfarrer Dieckmann und fügt hinzu: „Wenn die Kirche in den Jahren zuvor so gut besucht gewesen wäre wie jetzt die Baustelle, hätte über einen Abriss nicht nachgedacht werden müssen.“

Es ist nicht die erste Kirche, die Unternehmer Günter Meyer abreißen muss. „Vor langer Zeit haben wir eine Kirche in Diestedde abgerissen. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn der Bagger zum ersten Mal ein Loch in die Wand reißt und der Blick auf das Innere des einstigen Gotteshauses frei wird. Dann denke ich an die vielen Menschen, die hier im Laufe der Jahrzehnte zusammengekommen sind.“ Vor drei Wochen hat Meyer mit den Abrissarbeiten begonnen. In dieser Zeit hat der Neubeckumer Unternehmer in Ennigerloh bereits so einiges erlebt. „Der absolute Härtefall war jemand aus der Nachbarschaft der Kirche, der an die Zuschauer am Bauzaun Speisekarten verteilte und Würstchen anbot, um aus dem Interesse am Abriss der Kirche Kapital zu schlagen.“ Das Ordnungsamt der Stadt habe das Ansinnen nach ein paar Tagen gestoppt.

Ursprünglich sollten die Abrissarbeiten der ehemaligen St.-Ludgerus-Kirche noch in den Sommerferien abgeschlossen werden. Weil mit Rücksicht auf die Firma Rottendorf aber auf eine Sprengung der Türme verzichtet wird („Die Glocke“ berichtete), muss nun ein Spezialbagger nach Ennigerloh geholt werden. Mit ihm werden die 65 Meter hohen und im Durchmesser sechs Meter breiten Türme aus Beton und Stahl wie mit einer Schere Stück für Stück abgetragen. „Mit einer Sprengung wäre der Abriss nicht nur schneller vorangegangen, sondern auch mit geringeren Staubbelastungen für die Anwohner abgelaufen“, erklärt Architekt Ron Heiringhoff. Weil der Computerserver des benachbarten Unternehmens Rottendorf durch die Erschütterungen aber hätte Schaden nehmen können, wird nun konventionell abgerissen.

Es werde etwa zwei Wochen dauern, bis der Spezialbagger, mit dem laut Abbruchunternehmer Günter Meyer in 50 Metern Höhe gearbeitet werden könne an der Baustelle eintreffe. Bis dahin haben Meyer und seine Mitarbeiter auf dem Kirchengelände viel zu tun. Das Abbruchmaterial wird vor Ort zerkleinert, Metallteile wie das Kupfer vom Dach der Kirche heraussortiert und für eine Wiederverwertung abtransportiert.

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