Der Mann, der mit den Möbeln flüstert
BIlder: Helmers
Nachdem Jürgen Grabowski (l.) mit der Einrichtung des Westkircheners Robert Robeck fertig ist, steht kaum etwas mehr an seinem Platz. Das Ergebnis gefällt.
BIlder: Helmers

Das nostalgische Radio aus den 1960er-Jahren gefällt dem Westkirchener Robert Robeck schon immer. Dass es auf dem Schlafzimmerschrank nicht zur Geltung kommt, ist ihm klar. Aber wo in seiner Wohnung sieht das Erbstück vom Großvater am besten aus? Ein Fall für Jürgen Grabowski – den Möbelflüsterer.

Wohnzimmer,  Schlafraum, Essbereich: Seit elf Jahren sind das die Arbeitsplätze von Jürgen Grabowski. Der Ennigerloher mit dem besonderen Verhältnis zu Einrichtungsgegenständen hat sich den Namen Möbelflüsterer schützen lassen. Seine Vision einer schöneren Wohnung habe er sofort im Kopf, wenn er sie betrete, sagt er.

Doch bevor er die Räume beflüstert, hört er aufmerksam zu. „Möbel, die Menschen schon lange besitzen, erzählen eine Geschichte“, sagt er. „Ich bin kein Innenarchitekt, der Skizzen zeichnet. Ich komme, sehe und mache.“ Er arbeite intuitiv – und nur mit dem, was da sei.

„Ich reiße keine Wände ein und kaufe nichts dazu.“ Bevor er damit beginnt, Möbel zu rücken, schaut sich der Möbelflüsterer alles an – auch Dachboden, Keller und Garage. Dort sucht er nach versteckten Schätzen. Bei Robert Robeck aus Westkirchen fällt ihm sofort das alte Radio auf dem Kleiderschrank ins Auge, das noch funktioniert. Ab sofort spielt es im Wohnzimmer. Hinter dem Schrank spürt Jürgen Grabowski eine Staffelei auf, und aus der Verborgenheit einer Zimmerecke holt er ein kleines Sideboard heraus. Nach vier Stunden ist Bewohner Robert Robeck vom Flüsterkonzept verblüfft: „Das Ergebnis ist viel besser als in meinen Vorstellungen.“

Harmonischer und gleichzeitig spannender sei die Wohnung geworden, beschreibt Jürgen Grabowski sein Werk. „Möbel, Bilder und Dekoration passen besser zu ihren neuen Plätzen“, sagt er. „Ein Sessel und die Récamière stehen jetzt schräg – das bringt in den großen, rechteckigen Raum eine positive Spannung.“

Vor dem Einsatz des Möbelflüsterers dachte Robert Robeck noch, er werde im Nachhinein sicher noch einiges verändern. „Aber jetzt glaube ich, dass ich das nicht mehr tun muss. Bisher war ich nur zweckmäßig eingerichtet. Jetzt sieht alles auch noch schön aus.“

Mit seinem Gespür für Wohnraumdesign liege er so gut wie nie falsch, sagt Jürgen Grabowski. „Ich verwende eben nur das, was die Menschen schon besitzen, zu dem sie bereits eine

Beziehung haben. Die Besitzer entdecken ihre Einrichtung danach ganz neu.“

Sein Talent für die Möbelflüsterei hat Jürgen Grabowski vor zwölf Jahren entdeckt, als er einer Freundin bei der Einrichtung ihres neuen Hauses half. „Ihr Mann hatte sich von ihr getrennt, und sie zog mit ihren Kindern um“, sagt Jürgen Grabowski. „Ich wollte ihr etwas Gutes tun, schickte sie weg und richtete das Haus mit einigen Helfern ein. Als sie das Resultat sah, fiel sie mir mit Freudentränen um den Hals.“ Bis zu diesem Zeitpunkt war der Ennigerloher jahrzehntelang ebenfalls in einem kreativen Bereich selbstständig – der Modebranche.

„Die Leute kaufen bei mir die Katze im Sack“, betont der Ennigerloher. „Ich berate sie nicht, sondern lege einfach los – und sage ihnen vorher nicht, was ich mache.“ Das Wichtigste sei ihm, dass sich die Menschen nach seinem Besuch wohler fühlten als vorher. „Aber das Ergebnis muss auch praktisch sein. Sei müssen sich im Alltag gut damit zurechtfinden.“

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