Fünf Menschen mit Behinderung gehören zum Team
Bild: Helmers
Das Vertrauen ihrer Kollegen genießt Köchin Claudia Bürgel in der Seniorenresidenz Ennigerloh. Dass sie eine Behinderung hat, spielt keine Rolle. Das Bild zeigt sie mit Koch Maurizio Casu.
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Von den Kuchen, die Köchin Claudia Bürgel für das Sommerfest der Seniorenresidenz Ennigerloh gebacken hat, schwärmen Bewohner und Mitarbeiter im Haus noch immer. Aber auch als sie einmal ein Gericht zu stark gesalzen hatte, wiesen ihre Kollegen sie darauf hin. Denn auch wenn Claudia Bürgel eine Behinderung hat, gehört sie zum Küchenteam wie alle anderen.

Fünf Menschen mit Behinderung arbeiten in der Seniorenresidenz. Sie haben körperliche oder geistige Beeinträchtigungen oder leiden wie Claudia Börgel an einer psychischen Erkrankung. „Sie alle werden von den Mitarbeitern und den Bewohnern sehr geschätzt“, betont Einrichtungsleiter Patrick Seikert.

Claudia Bürgel aus Beckum lebt in der Seniorenresidenz richtig auf. Sie kam als Praktikantin zum Team, jetzt wird sie fest angestellt. Zuvor arbeitete die 34-Jährige als Hauswirtschafterin in den Freckenhorster Werkstätten. Doch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt fühlt sich die gelernte Köchin wohler. „Ich genieße die Freiheit, die ich hier in der Küche habe. Und ich merke, dass man mir vertraut.“

Auch die Tatsache, dass sie wie alle anderen Mitarbeiter behandelt wird, weiß sie zu schätzen. „Das ist nicht überall so.“ Sie habe bereits viele Praktika auf dem ersten Arbeitsmarkt hinter sich. Aber nirgendwo habe es ihr so gut gefallen wie in der Seniorenresidenz.

Die Begeisterung teilen beide Seiten: Zum 1. September stellt die Einrichtung die 34-Jährige fest ein. Die Freckenhorster Werkstätten betreuen sie weiterhin pädagogisch, aber nur für eine Übergangszeit (siehe Interview). Küchenleiterin Diana Künzel will nicht mehr auf ihre Kollegin verzichten. „Wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Es ist so, als hätten wir die Kochlehre gemeinsam absolviert. Und wir verstehen uns gut.“

Nach einer Krebserkrankung hat auch Mitarbeiterin Dorothee Wessels aus

Ennigerloh einen Schwerbehindertenausweis. In der Seniorenresidenz entdeckte die 51-Jährige Talente, von denen sie zuvor nichts geahnt hatte. „Ich wurde als Reinigungskraft eingestellt, kann wegen meiner Krankheit aber nicht alles schaffen“, sagt sie. Man habe ihr zum Ausgleich eine zweite Aufgabe gegeben, erklärt Einrichtungsleiter Patrick Seikert. „Sie beschäftigt die Bewohner, etwa mit Spielen und Bewegung. Und es stellte sich heraus, dass sie einen guten Draht zu ihnen hat.“ Die 92-jährige Gerda Brüggemann bestätigt das. „Sie macht alles sehr gut, so locker und natürlich.“ Auf dieses Talent baut Dorothee Wessels auf: Ende August schließt sie eine Ausbildung zur Demenzbegleiterin ab.

 

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der “Glocke“-Ausgabe am Samstag, 19. August 2014.

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