Geistreiche Unterhaltung beim Dielenabend
Bild: Hartmann
Zwei vergnügliche Stunden mit Boogie Woogie und Blues bereitete das Frank-Muschalle-Trio den Besuchern beim Dielenabend in der Alten Mühle am Vossbach in Enniger.
Bild: Hartmann

Frank Muschalle (Piano) und seine beiden Mitstreiter Dirk Engelmeyer (Schlagzeug / Gesang) sowie Matthias Klüter (Kontrabass) schlug diese Stimmung geradezu entgegen, gern griffen sie diesen Ball auf. Heraus kamen mehr als zwei vergnügliche Stunden mit Boogie Woogie und Blues. An das legendäre Konzert in der New Yorker Carnegie Hall (1938), als die Jazzveteranen Albert Ammons, Pete Johnson und Meade Lux Lewis ihr Publikum in Ekstase versetzten, kam dieser Abend nicht heran. Aber was im Rahmen westfälischer Bedächtigkeit möglich war, das wurde erreicht, denn das Rezept stimmte. Man nehme zunächst eine gute Portion Begeisterung. Frank Muschalle hat sich diese trotz einer langen Profi-Karriere erhalten. Wenn er die Bässe rollen ließ, roch nichts nach Routine. Da blieb noch viel Lust an der Improvisation übrig, wenn er nach Belieben auf die Tasten hämmerte oder ihnen auch schmeichelnden Wohlklang entlockte. Da musste der Funken überspringen. Man vergesse den Humor nicht. Manche Plauderei, mancher Witz („Wissen Sie, was Schwiegermutter und Kontrabass gemeinsam haben?“) ließ gar nicht erst den Verdacht aufkommen, hier gehe es bierernst zu, als würden die Tiefen der Seele ausgelotet. Man suche sich tüchtige Musiker, die diesen Spaß mittragen und doch noch Individuelles einzubringen verstehen. Für die passende Grundierung (selbstverständlich immer „pizzicato“) sorgte Mathias Klüter, aber mehr als einmal empfahl sich der „Mann am Bass“ auch als gewiefter Solist. Das tat auch der Schlagzeuger, aber ihm fiel auch noch dieser raue, scheinbar ungehobelte Gesang zu, das kein „bel canto“ sein will, wenig Interesse an guter Textverständlichkeit hat, aber immer Spiegel einer unkomplizierten, lebensfrohen Seele ist, auch wenn die Themen eigentlich ernst sein könnten, zum Beispiel im Falle der Ballade „Nobody ist loving me“. Fast 20 Titel gingen so ab. Es gab Klassiker wie „Boogie Woogie Stomp“, aber auch selbst „Kompostiertes“ (pardon: selbst „Komponiertes“) wie „Sheffield in the morning“, „Ballads“ mit Gesang („Blues before sun rises“) oder auch ohne („If I didn’t love you like I do“). Nichts hörte sich dosiert oder berechnet an. Das Ziel, geistreich zu unterhalten wurde vollauf erreicht.

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