Himmel und Hölle auf der Pfarrhaustenne
Bild: Hartmann
Die Brüder Tom (an der Harfe) und Rafael Daun spielten beim letzten Dielenabend dieser Saison in Enniger.
Bild: Hartmann

Vielleicht veranlasste dies das „Daunduett“ am Samstag auf der Pfarrhaustenne dazu, ihren Dielenabend scherzhaft unter das Motto „Himmel und Hölle“ zu stellen, denn die Brüder Tom und Rafael Daun waren mit eben diesen Instrumenten angetreten. Allerdings: Himmel und Hölle vertrugen sich bestens, ging es doch um Volksmusik, in der beide Instrumente viele Jahrhunderte lang heimisch waren. So konnten die beiden weite Landschaften des ehemaligen Abendlandes bereisen. Frankreich etwa meldete sich mit einer Gigue, einem Bransle oder auch mehreren Borrées; aus Schottland kam eine Polka, aus Spanien eine „Granda Aiga“. Alles blieb authentisch, wurde nicht mit Mitteln der Unterhaltungsmusik „aufgemischt“. Und mehr als einmal wurde auch deutlich, dass sich die damalige Kunstmusik auch von hier inspirieren ließ. Und doch, Volksmusik entstand nicht für das moderne Konzert; sie lebte an anderen Orten, war oft nur Beiwerk, Hintergrund.

Lieder aus der „Sammlung Dahlhoff“

So wäre auch dieser Abend früher oder später versandet, hätten sich nicht die Gebrüder etwas Besonderes einfallen lassen. Denn da gibt es noch eine westfälische „Sammlung Dahlhoff“ aus dem späten 18. Jahrhundert, die auch Lieder enthält, die damals aktuell waren. Einige Proben verliehen dem Abend einen besonderen Reiz, nämlich Gedichte von Ludwig Hölty (†1776), dem bedeutendsten Vertreter des „Göttinger Hains“, in dem sich studentische Bewunderer Klopstocks in einer Mondnacht des Jahres 1772 zusammengeschlossen hatten. Die drei Lieder waren allerdings eher komisch und ironisch als sentimental, in jedem Falle aber köstlich und geistreich. Mag zum Beispiel Petrarca den edlen Geist seiner Laura bewundert haben, in der parodistischen „Petrarchischen Bettlerode“ interessieren mehr die „dicken Schinken“ unter dem Rock der Angebeteten. Das „Hexenlied“ durchwehte ein Stück Schauerromantik“, wie sie damals Gottfried Augus Bürger Ballade „Lenore“ populär machte; und das „Totengräberlied“ sinnierte über die Vergänglichkeit von Schönheit und Liebe, nicht ganz so philosophisch wie Shakespeares Hamlet in seinem berühmten Monolog, aber dafür sehr anschaulich. Es war insgesamt ein unterhaltsamer Abend, der zugleich die Saison der Dielenabende beschloss.

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