Hobbys halten Senioren mit Demenz fit
Bild: Helmers
Gern steht Bewohnerin Gertrud Müller in der Pflege-WG im Drubbel in Ennigerloh am Bügelbrett. Sie übernimmt auch die Bügelwäsche von anderen.
Bild: Helmers

 Ein geregelter Alltag helfe den Bewohnern, lange selbstständig zu bleiben, betont Eva Dergun, die die Einrichtung der Diakonie Gütersloh stellvertretend leitet. Alle 14 Senioren, die zwischen 76 und 93 Jahren alt sind, leiden an Demenz. Bei einigen ist die Erkrankung noch nicht so weit fortgeschritten wie bei anderen. „Einige gehen weiter Karten spielen, kegeln oder zum Dackeltreffen“, sagt die Altenpflegerin. Manchen helfe es, sich Aufgaben zu widmen, die sie jahrzehntelang im Haushalt erledigt hätten.

Einige kochen und backen. Für Gertrud Müller gehört das Bügeln zum geregelten Alltag. Sie macht es so schnell und sorgfältig, dass sie sich anderen auch schon mit den Worten vorstellt hat: „Ich bin die Bügelfrau.“ Diese Arbeit erledigt sie meistens morgens, der Nachmittag ist für andere Dinge reserviert. Jeden Tag kommt ihre Familie zu Besuch, die mit vier Kindern und acht Enkeln groß ist.

 Für andere, die aufgrund der Krankheit bereits vollständig in ihrer eigenen Welt leben, ist die Wohngemeinschaft ein geschützter Ort. „Wir holen sie nicht mit Gewalt aus ihrer Welt heraus, das ist nicht gut“, sagt die Stellvertretende WG-Leiterin Eva Dergun. Manchmal nähmen sie von sich aus Anteil an ihrer Umgebung, zum Beispiel wenn eine ehrenamtliche Betreuerin mit der Gitarre in die WG kommt. „Sie singt und spielt Lieder, die die Bewohner noch von früher kennen. Dann singen wirklich alle mit, auch die, die schon sehr stark erkrankt sind.“

 Viel Routine, geregelte Abläufe, pünktliche Mahlzeiten – das ist für die meistern Bewohner sehr wichtig. Mit der Krankheit Demenz sei jeder Tag neu, sowohl für viele Bewohner als auch für die Mitarbeiter. „Bei einigen müssen wir uns stets neu vorstellen“, sagt Eva Dergun. „Andere kennen uns aber ganz genau und behandeln uns wie Töchter.“

 Die Mitarbeiterinnen hätten in der kleinen Wohngemeinschaft mehr Zeit für die Bewohner als üblich. „Wir kennen jede Vorliebe, jede Macke und jedes Muttermal“, sagt die Altenpflegerin. „Wir können auch für die seelischen Bedürfnisse der Bewohner da sein, uns mit ihnen hinsetzen und reden.“ Vielen tue es gut, von früher zu erzählen, aus der Kindheit, von der eigenen Familie oder aus dem Krieg.

Hochzeitspaaren zujubeln

Als die Diakonie Gütersloh die Pflegewohngemeinschaft im Drubbel vor drei Jahren in Ennigerloh gegründet hat, war Agnes Hölscher die erste, die einzog. Wie bei anderen Bewohnern sind auch ihr Erinnerungen an Ereignisse nahe, die weit zurückliegen. „Ich habe früher als Schwesternhelferin in einem Krankenhaus gearbeitet“, sagt die 79-Jährige. „Als ich meinem Vater damals sagte, dass ich Schwester werden wolle, dachte er zuerst, ich werde Nonne. In unserer Familie gab es einige Nonnen, aber ich wollte gar nicht in einen Orden eintreten.“ Ihre Aufgaben als Schwesternhelferin hat Agnes Hölscher nicht vergessen. „Auch hier in der WG helfe ich anderen, zum Beispiel, wenn es Mittagessen gibt“, sagt sie.

 Die Senioren leben wie in einer WG zusammen – jeder hat ein eigenes Zimmer mit Bad, das er sich selbst einrichtet. Insgesamt 25 Mitarbeiter kümmern sich um sie – in Vollzeit oder Teilzeit. Darunter sind Fachkräfte, Präsenzkräfte, eine Betreuungskraft, Abendbrotbegleitungen und Nachtwachen.

Zum Programm gehören Sport, Andachten und Feiern. „Die Lage im Drubbel ist sehr gut“, sagt Eva Dergun. „Einige Bewohner können noch selbst in die Stadt gehen. Außerdem finden viele der Senioren es toll, den Hochzeitspaaren nach der Trauung in der St.-Jakobus-Kirche zuzujubeln.“ Mittlerweile ist die Warteliste mit mehr als 30 Interessenten lang.

SOCIAL BOOKMARKS