Industrie und Natur begegnen sich im Steinbruch
Bild: Helmers
Faszinierend findet Klaus Schweiger, Leiter der Rohsteingewinnung des Ennigerloher Unternehmens Heidelberg Cement, seinen Arbeitsplatz. Der Steinbruch Nord wird nach und nach der Natur beziehungsweise der Landwirtschaft zurückgegeben.
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Der Arbeitsplatz von Klaus Schweiger sieht jeden Tag anders aus. Das ist es, was er am Steinbruch so schätzt. Wo der Leiter der

Rohsteingewinnung des Ennigerloher Unternehmens Heidelberg Cement gestern noch Calciumcarbonat – auch bekannt als Kreide – für die Zementherstellung abgetragen hat, wachsen heute wieder Pflanzen.  „Man kann hier im Laufe der Jahreszeiten viel entdecken“, betont Klaus Schweiger. „Es ist beeindruckend, wie schnell sich die Natur die Stellen, an denen wir gearbeitet haben, zurückholt.“

Das Unternehmen gewinnt aus den Millionen Jahre alten Gesteinsschichten Kreide als Rohstoff für die Zementherstellung. Anschließend werden die Bereiche nicht einfach sich selbst überlassen. Die Firma verwandelt sie zum Teil in Flächen, die aussehen wie unberührte Natur. „Wir legen Wiesen, Wälder und Teiche an“, erklärt Werkleiter Stephan Wehning. „Aber wir kultivieren ebenfalls Ackerflächen. Denn wir müssen auch an die Landwirtschaft denken.“

Innerhalb eines Steinbruchs werde der Abbau immer auf kleine Bereiche beschränkt. „Wenn wir in einem Teilquadrat fertig sind, muss es ruhen, damit sich der Boden setzen kann. Dann wird der Bereich zeitnah rekultiviert“, betont der Werksleiter. „Auch wenn der Grund und Boden uns gehört, wollen wie ihn möglichst schnell der Natur und der Landwirtschaft zurückgeben.“ So faszinierend der Steinbruch sein kann, in dem Klaus Schweiger arbeitet – Außenstehende sollten sich nicht dort aufhalten. „Das kann gefährlich werden“, betont der Leiter der Rohsteingewinnung. Wie um das zu unterstreichen lösen sich im nächsten Moment einige Steine aus der steilen Wand und zerschellen geräuschvoll auf dem Boden.

Auf öffentlichen Wegen ist die Abgrabungsfläche ohnehin nicht zu erreichen. Das Unternehmen hat ein Netz aus Werkstraßen angelegt. Es soll die öffentlichen Straßen entlasten, betont Werkleiter Stephan Wehning. „Schwerlastkraftwagen holen das Kreidematerial aus dem Steinbruch. Voll beladen haben sie ein Gesamtgewicht von mehr als 100 Tonnen. Das ist deutlich mehr, als auf öffentlichen Straßen erlaubt ist.“ Bis ein Landstrich zum Steinbruch werden kann, vergeht viel Zeit. „Damit wir wissen, ob es sich lohnt, bestimmen wir durch Bohrungen den Rohstoffgehalt des Bodens“, erklärt Wehning. „Und bevor eine Steinbrucherweiterung genehmigt wird, müssen mehrere Gutachten erstellt werden. Behörden können Einwände vorbringen. So gehen viele Jahre ins Land.“

Mit der Arbeit eines Steinkühlers aus dem vergangenen Jahrhundert habe der Alltag im Steinbruch Nord heute nicht mehr viel gemeinsam, erklärt Klaus Schweiger, Leiter Rohstoffgewinnung bei Heidelberg Cement in Ennigerloh. „Bis Ende der 1960er-Jahre war das eine Knochenarbeit mit Spitzhacke und Schaufel.“ Danach sei die Hacke durch Elektrobagger ersetzt worden, die auch heute noch verwendet würden. Wobei der Hochlöffel-Bagger, mit dem Klaus Schweiger das Material abträgt, deutlich leistungsfähiger sei als seine Vorgänger. „Deshalb muss ich bei der Arbeit, die monoton sein kann, hochkonzentriert sein. Ich muss immer ein Ohr für den Bagger haben und zugleich für alles, was um mich herum passiert.“

In die Zukunft habe Heidelberg Cement in den vergangenen Jahren Millionenbeträge investiert, sagt Werkleiter Stephan Wehning. „Es gibt starke Konkurrenz für uns, etwa in der Ukraine. Aber wir haben das bessere Knowhow,“ Das Ennigerloher Unternehmen sei auf dem höchsten Stand der Technik, die Mitarbeiter sehr gut ausgebildet. Auf dieser Grundlage würden im Steinbruch Süd im Jahr bis zu 170 000 Tonnen Gestein abgebaut, im Steinbruch Nord rund 1,2 Millionen Tonnen.

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