Jungunternehmer haben den Schalk im Nacken
Bild: Hübl
Schon seit 40 Jahren trifft sich der Stammtisch der Jungunternehmer Enniger. Das Bild zeigt (v. l.) Willi Völking, Klaus Schlüchtermann, Dieter Oesterwinter, Günther Ikemann, Rudolf Fissahn, Oskar Brüning, Rolf Ruge, Ferdi Tovar, Bernd Zumbült und Berthold Lülf.
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Was hier zählt, ist der Mensch – ungeachtet von Alter, Beruf oder politischem Standpunkt. Zehn mittlerweile gestandene Männer treffen sich jeden ersten Donnerstag im Monat in der Gaststätte Lindenhof zur Stammtischrunde. Zwischen 18.30 und 19.30 Uhr herrscht dort strenge Anwesenheitspflicht, und dann muss auch jeder seine fünf Euro ins Sparschwein werfen. Das Geld wird am Ende des Jahres einem wohltätigen Zweck zugeführt.

Die Begrenzung auf eine Stunde stammt noch aus der Zeit, als alle umtriebig in den unterschiedlichsten Geschäftsfeldern unterwegs waren und die Freizeit deshalb knapp bemessen war. „Was aber nicht heißt, dass man nich auch länger bleiben konnte und kann“, erklärt Rudolf Fissahn mit einem Lächeln. Der ehemalige Bankchef und seine Stammtischbrüder, die aus den verschiedensten Berufsfeldern kommen, sind stolz auf ihre Tradition, die sie selbst begründet haben. „Wir hatten damals alle immer wieder irgendwie beruflich miteinander zu tun“, erinnert sich Dieter Oesterwinter an die Anfänge. „So sind wir auf die Idee gekommen, uns auch einmal privat auf ein Bier zu treffen. Und das tun wir auch heute noch regelmäßig.“

Der Stammtisch gibt sich nicht nur münsterländisch multikulturell, sondern er ist es auch. Anders wäre es kaum zu erklären, dass die „jungen Unternehmer“ vor neun Jahren den sozialdemokratischen Bürgermeister Berthold Lülf in ihre Reihen aufgenommen haben. „Wer hier länger als fünf Minuten über Politik oder Krankheiten redet, muss eine Runde bezahlen“, stellt Berthold Lülf klar. „Das macht das Ganze so interessant.“ Da stören auch unterschiedliche Parteibücher nicht: „Berthold, wir sind alle so schwarz wie die Hose, die du anhast“, frotzelt Rudolf Fissahn. Sei’s drum. Für die Stammtischbrüder hat die Farbe Schwarz ohnehin keine politische, sondern eine andere, besondere Bedeutung: Denn wenn sie gemeinsam auf Reisen gehen, was einmal im Jahr geschieht, dann nur in schwarzem Anzug, schwarzen Schuhen, weißem Hemd und Krawatte nach Wahl. Am Revers steckt ein knallroter Anstecker. „FdS“ steht darauf. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich keine neue Partei, sondern der Wahlspruch „Fit durch Spitt“. Denn der verstorbene Josef Spitthöver war nicht nur Wirt des Stammlokals, sondern gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern. „Wenn wir mit diesem Outfit auf Reisen gehen, dann kommen wir immer schnell mit anderen Leuten ins Gespräch“, freut sich Berthold Lülf. „Und dann wird es lustig.“ Denn die zehn ehemaligen Jungunternehmer haben den Schalk im Nacken und trotz einiger grauer Haare genauso wenig Patina angesetzt wie ihr Stammtischschild.

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