Kirchturm zeugt von der Ritterzeit
Bilder: Helmers
Auf dem Dach der St.-Mauritius-Kirche in Enniger ist das Deckengewölbe des Hauptschiffs von oben zu sehen. Das Bild zeigt Kirchenvorstand Georg Koppenstein.
Bilder: Helmers

Das Hochmittelalter war eine kriegerische Zeit. Aus der Epoche der Ritter und Kreuzzüge stammt der Turm der St.-Mauritius-Kirche in Enniger. Er wurde Ende des 12. Jahrhunderts als Wehranlage errichtet. Die Schießscharten in den zwei Meter dicken Wänden beweisen, dass die Bevölkerung stets mit Angriffen rechnete. Das 42 Meter hohe Bauwerk birgt Geheimnisse, die der

normale Kirchenbesucher nicht zu Gesicht bekommt. „

Der Turm wurde 1180 gebaut, die Kirche kam erst später“, erklärt Kirchenvorstand Georg Koppenstein. „Es war ein großer Vorteil, wenn man den Feind schon von weitem  sah.“ Das Bauwerk blieb stehen, als im 19. Jahrhundert die Kirche abgerissen und neu gebaut wurde.

Innen misst der Turm vier mal vier Meter, entsprechend eng wird es beim Hochklettern. Nach dem Aufstieg über mehrere Holzleitern, die die Etagen miteinander verbinden, hängen die drei Kirchenglocken im Gebälk. Sie haben buchstäblich eine bewegte Vergangenheit.

Die kleinste von ihnen, die Stephanus-Glocke, kam der Gemeinde zweimal abhanden. „Die erste wurde im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen“, erklärt Koppenstein. Im Jahr 1922 wurde eine neue Glocke angeschafft, die im Zweiten Weltkrieg ebenfalls der Rüstungsindustrie zum

Opfer fiel. Auch der größten Mauritius-Glocke drohte damals dieses Schicksal, und sie wurde zu einem Glockenfriedhof gebracht. „Aber sie wurde gerettet.“

Die Stephanus-Glocke wurde in den 1950er-Jahren zum zweiten Mal ersetzt und hängt seitdem unbehelligt im Kirchturm. Etwa genauso alt ist das elektrische Läutwerk. „Einige ältere Dorfbewohner mussten als Messdiener noch von Hand läuten.“ Die Aussparungen im Boden erinnern daran, das sich die jungen Menschen mit ihrem ganzen Gewicht an die Seile hängten.

Vom mittelalterlichen Turm aus gibt es einen Zugang zu einem weiteren Bereich, der sich den Gemeindemitgliedern üblicherweise verbirgt. Auf dem Dach des Hauptschiffes ist es mit einem Mal gar nicht mehr eng. Dort zeigt sich das Deckengewölbe des Kirchenraums von oben. Kleine Löcher geben den Blick von oben auf Bänke und Altar frei. Sie haben praktische Eigenschaften. „Zu Gottesdiensten, etwa in der Weihnachtszeit, fädeln wir Dekorationsgegenstände hindurch“, sagt Georg Koppenstein. „Auch das Stahlseil, an dem das Altarkreuz hängt, ist durch eins dieser Löcher geführt.“

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