„Man sollte meinen, dass Corona reicht“
Foto: Schomakers
Halter von Geflügel im Kreis Warendorf sind wegen nachgewiesener Geflügelpest-Fälle verpflichtet, ihre Tiere im Stall zu halten. Davon betroffen sind auch die Tiere des Rasse- und Geflügelzuchtvereins Ostenfelde.
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„Man sollte meinen, dass Corona reichen müsste“, sagt der Vorsitzende Dieter Geissler im „Glocke“-Gespräch. „Aber nein, es musste für Geflügelzüchter und -halter auch noch die Vogelgrippe dazu kommen.“ 

Geissler: An Stallpflicht ist nicht zu rütteln

Dieter Geissler ist Taubenzüchter. Für seine Tiere besteht seinen Angaben zufolge zwar keine Gefahr, weil das „Virus Tauben nicht befällt“. Doch leide er mit seinen Züchterfreunden. „An der Stallpflicht ist aber nicht zu rütteln“, betont er. Ob landwirtschaftliche Geflügelgroßbetriebe oder Rassegeflügelzüchter: Jeder müsse der Pflicht nachkommen, stellt der RGZV-Vorsitzende heraus. Das bedeute, dass das Geflügel aus Freiläufen so zu halten sei, dass von außen keine Gefahr ausgehe, also Wildvögel daran gehindert würden, den Virus zu übertragen. Dazu seien auch Hobbyhalter verpflichtet, die ein paar Hühner für ihr Frühstücksei am Morgen hielten. Das dürfe aber ohne Bedenken gegessen werden, sagt er. 

Geissler hofft, dass die Pandemie und die Vogelgrippe bald ein Ende haben. Beides wirke sich negativ auf das Vereinsleben aus, erklärt er. So habe der RGZV das für den 1. Mai geplante Familienfest auf dem Hof Lakenbrink absagen müssen. Im November möchte der Verein die Geflügelschau ausrichten. Ob sie angesichts der derzeitigen Situation stattfinden kann, ist fraglich.

Auslöser für die sogenannte Aufstallungspflicht im Kreis waren vier tote Wildgänse in Sendenhorst, bei denen das Virus H5N8 nachgewiesen wurde. Das Kreisveterinäramt, das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz sowie das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW sahen zunächst von einer allgemeinen Pflicht ab und sprachen eine Empfehlung für die Aufstallung aus. Nachdem das Virus auch in Beelen festgestellt worden war, folgte die Stallpflicht. Zudem wurden in Teilen des Kreises Sperr- und Beobachtungsbezirke eingerichtet.

Ostenfelde, Westkirchen und Teile der Kernstadt unter Beobachtung

Außer in Sendenhorst und Beelen ist das Virus H5N8 auch in Münster-Handorf nachgewiesen worden. Wenn ein Ausbruch festgestellt wird, legt die zuständige Behörde, in den genannten Fällen der Kreis Warendof sowie die Stadt Münster, um den betroffenen Betrieb einen Sperrbezirk fest. Dieser umfasst der Geflügelpest-Verordnung zufolge einen Radius von mindestens drei Kilometern. 

Um den Sperrbezirk wird mit einem Radius von mindestens zehn Kilometern darüber hinaus ein Beobachtungsgebiet festgelegt. Ostenfelde, Westkirchen sowie Teile der Stadt Ennigerloh östlich der Bahnlinie und nördlich des Nordrings liegen im Beobachtungsgebiet. Für Geflügelhalter in diesem Bereich gelten laut Verordnung unter anderem folgende Regeln: 

Dem Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Kreises sind die Zahl der gehaltenen Vögel unter Angabe des Standorts und der Nutzungsart sowie die Zahl der verendeten gehaltenen Vögel anzuzeigen. 

Gehaltene Vögel, frisches Fleisch von Geflügel und Federwild, Eier sowie sonstige Geflügelerzeugnisse dürfen weder in einen Bestand gebracht noch aus einem Bestand geholt werden. 

Halter haben sicherzustellen, dass die Ställe oder sonstigen Standorte des Geflügels von betriebsfremden Personen nur mit betriebseigener Schutzkleidung oder Einwegkleidung betreten werden und dass diese Personen die Schutz- oder Einwegkleidung nach Verlassen des Stalls oder sonstigen Standorts des Geflügels unverzüglich ablegen. 

Weitere Informationen unter www.kreis-warendorf.de.

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