Natur kann sich nicht selbst regulieren
Bilder: Junker
Gerd Suermann beobachtet von seinem Hochsitz aus den Waldrand im Jagdrevier.  
Bilder: Junker

Er bleibt stehen, schaut über die zwei Meter hohen Pflanzen. Noch 50 Meter bis zum Hochsitz. Mit seinem Feldstecher sucht der Vorsitzende des Hegerings Ennigerloh-Neubeckum den Waldrand ab. Es nieselt. Keine guten äußeren Bedingungen, um auf die Jagd zu gehen. Wenn es regnet, bleibt das Rehwild im Wald – geschützt im Dickicht.

Der Regen wird stärker, die Chancen, einen Blick auf Ricke, Kitz oder Rehbock zu erhaschen, werden geringer. Nur ein paar Hasen trotzen dem Wetter. Für Suermann ist das kein Problem. Viele Stunden hat er schon auf dem Hochsitz verbracht, ohne überhaupt ein Tier zu sehen. „Das gehört zum Jagen dazu“, sagt der erfahrene Waidmann, der seit mehr als 40 Jahren einen Jagdschein besitzt.

Es ist ruhig. Nur das Plätschern der Regentropfen auf dem Dach des Hochsitzes ist zu hören. Immer wieder greift Suermann zum Fernglas. Wieder kein Rehwild. Stattdessen leisten zwei Fasane den Hasen Gesellschaft. Der Jäger hofft, dass sich noch ein paar Küken aus dem Maisfeld auf die Wiese trauen. Aber keine Spur vom Nachwuchs. „Schade“, sagt er. „Aber möglicherweise haben sie in der Nähe ein Gelege.“

Sorge um das Niederwild

Suermann sorgt sich um das Niederwild, vor allem um die Hasen- und Fasanenpopulation. Die sei in den vergangenen fünf Jahren um die Hälfte zurückgegangen. Woran das liege, wisse keiner genau. Mittlerweile beschäftigt sich eine Forschungsstelle in Bonn mit dem Thema.

Viele Faktoren könnten eine Rolle spielen wie fehlende Rückzugsorte und Versteckmöglichkeiten aufgrund von Erweiterung landwirtschaftlicher Flächen, von Nahrungsengpässen oder des Klimawandels. Hinzu kommen Nesträuber wie Füchse, Marder und Krähen. Letztere bräuchten alleine 60 Eier als Nahrung zur Aufzucht ihrer Brut.

Dabei gehe nicht nur um Fasane, sondern auch um Singvögel, erklärt Suermann. Jagdgegner argumentierten häufig, dass Jäger Tiere wie Füchse oder Marder schössen, obwohl sie keinen Nutzen von ihnen hätten. Mit den Abschüssen schützten sie aber andere Tierarten, betont er. Es gebe sonst ein Ungleichgewicht. Gleichzeitig werden Krankheiten wie Tollwut verhindert. Wild und Wald sich selbst zu überlassen, funktioniere nicht. „Die Natur kann sich nicht selbst regulieren“, sagt er.

 

Den kompletten Artikel lesen Sie am Mittwoch in der Oelder Ausgabe der Glocke.

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