Pilotanlage verwandelt Müll in Diesel
 Bild: Mense
Beeindruckt von der hochmodernen Anlage: Bundestagsabgeordnete der CDU haben gestern die Firma Dieselwest in Ennigerloh besucht. Das Bild zeigt (v.l.) die Abgeordneten Jürgen Hardt (Wahlkreis Remscheid), Reinhold Sendker (Kreis Warendorf), Dr. Matthias Heider (Olpe-Märkischer Kreis), Marie-Luise Dött (Oberhausen) mit Recenso-Projekt-Manager Jens Chromy und Recenso-Geschäftsführer Christian Haupts.
 Bild: Mense

„Wir wollen Ende 2015 soweit sein, dass die Anlage wirtschaftlich arbeitet“, erklärte Christian Haupts, Geschäftsführer des Anlagenentwicklers Recenso (Remscheid). Im Volllastbetrieb würde die Anlage, die mit im Entsorgungszentrum aus Müll aufbereiteten Ersatzbrennstoffen gefüttert wird, stündlich 375 Liter und damit im Jahr etwa drei Millionen Liter Diesel produzieren – nach Angaben Haupts zum wettbewerbsfähigen Preis von 40 Cent/Liter: „Das entspricht dem, was in Rotterdam für Rohöl bezahlt wird.“ Von der Bedeutung der Pilotanlage beeindruckt zeigte sich am Dienstag eine Gruppe von CDU-Fachpolitikern, die auf Vermittlung des heimischen Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker angereist waren. „Das ist Spitzentechnologie, die europa- und sogar weltweit seines Gleichen sucht“, erklärte der Mandatsträger aus Westkirchen. Die Pilotanlage steht zwar auf dem Gelände des von den Kreisen Warendorf und Gütersloh getragenen Entsorgungszentrums (Ecowest), Dieselwest ist aber ein rein privates Unternehmen. Geschäftsführender Gesellschafter ist der Oelder Günther Keutmeier, der auch das „Risikokapital“ von mehreren Millionen Euro für Bau und Betrieb der Anlage bereitstellte. Die technische Aufrüstung wurde jüngst mit 1,3 Millionen Euro aus Landes- und EU-Mitteln unterstützt. Auch wenn im Betrieb des zwölf Meter hohen Technikturms seit 2011 einige Kinderkrankheiten überwunden werden mussten, steht für Dieselwest-Geschäftsführer Jürn Düsterloh fest, dass die Technologie weltweit eine große Zukunft hat.

Effizient und sicher

Ennigerloh (ame). Direktverölungs- oder CTC-Technologie nennen Fachleute das innovative Verfahren, das buchstäblich aus Müll Diesel macht. Das Prinzip ist einfach: Festes Material (der aufbereitete Restmüll) wird in einem Reaktor durch Wärmezufuhr flüssig und gasförmig, anschließend wird unter Einsatz eines Katalysators in einem Destillationsprozess ein dieselähnlicher Kraftstoff gewonnen. Das System ist nach Angaben von Recenso-Geschäftsführer Christian Haupts „effizient und sicher“. Die Energie des Sekundärbrennstoffs würde zu 80 Prozent in lager- und transportfähigen sowie vielfältig einsetzbaren Diesel umgewandelt. Die Anlage arbeite mit relativ geringen Prozesstemperaturen von unter 400 Grad. „Giftige Verbindungen können dabei gar nicht erst entstehen“, sagt Haupts. Und auch hohe Drücke, die ein Risiko für die Anlagensicherheit darstellen würden, seien nicht nötig. Derzeit arbeitet die Anlage mit einer Auslastung von etwa 25 Prozent, aber schon im Dauerbetrieb. Bis Jahresende soll die volle Kapazität ausgeschöpft werden. Das Produkt, der gewonnene Diesel, wird überwiegend in industriellen Heizungsanlagen genutzt. Grundsätzlich ist es aber auch als Sprit für Kraftfahrzeuge einsetzbar. Dazu steht Dieselwest bereits in Kontakt zu einem namhaften deutschen Automobilhersteller. Um die erforderliche DIN-Norm zu erfüllen, müssen dem Recycling-Diesel allerdings noch Wasser- und Schwefelanteile entzogen werden – und das möglichst wirtschaftlich. „Ein Partnerunternehmen hat die erforderliche Technologie bereits entwickelt und als Patent angemeldet“, erklärt Dieselwest-Geschäftsführer Jürn Düsterloh. Auch wenn die Technik nach Angaben von Christian Haupts ausgereift ist und schon Planungen zur Erweiterung der Anlage im Entsorgungszentrum Ennigerloh Gestalt annehmen, es gibt noch einige offene Fragen: Wie genau im Reaktor die Umwandlung des Ersatzbrennstoffs in Diesel erfolgt und welche Prozesse dabei ablaufen, ist wissenschaftlich kaum erforscht. Antworten auf diese Fragen soll die künftig verstärkte Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Paderborn liefern.

SOCIAL BOOKMARKS