Putzen für das perfekte Klangerlebnis
Fotos: Lohmann
Orgelbaumeister Johannes Klein demonstriert, wie er die 1552 Pfeifen der Orgel in der St.-Mauritius-Kirche in Enniger reinigt. Die Arbeiten dauern rund sechs bis sieben Wochen. Nach der Reinigung folgt die Nachintonation.
Fotos: Lohmann

Es ist nicht weniger als ein exklusiver Anblick, der sich Gläubigen bietet, die in diesen Tagen das Gotteshaus am Kirchplatz aufsuchen. „So eine Orgel wird in der Regel nur alle 20 Jahre gereinigt“, sagt Klein. Die jüngsten Renovierungsarbeiten in der Kirche machten den Griff zu Bürste und Lappen nun schon nach 17 Jahren notwendig. „Die Orgel konnte nicht mehr gespielt werden“, berichtet der Orgelbaumeister vom Ergebnis seiner Sichtung vor rund einem Jahr.

Wo sonst Organisten ihr Notenbuch verwahren, kann man derzeit frei auf die Tontraktur schauen.


Rund sechs bis sieben Wochen dauern die Arbeiten insgesamt. Knapp zwei Wochen sind vergangen, als die „Glocke“ Klein an seinem Arbeitsplatz auf Zeit besucht. Wo sich seine Wirkungsstätte befindet, ist unübersehbar. Kirchenbänke und rot-weißes Flatterband machen unmissverständlich klar, wo der öffentlich zugängliche Bereich endet. Dennoch ist ein Blick hinter die Kulissen erlaubt.

1552 Pfeifen müssen gereinigt werden

Zahlreiche Orgelpfeifen buhlen – nach Registern geordnet – um die Blicke des ein oder anderen Kirchenbesuchers. Wie viele Pfeifen es genau sind? „1552“, sagt Johannes Klein wie aus der Pistole geschossen. Die Innenreinigung der Pfeifen erfolgt mit verschiedenen großen Bürsten, die Außenreinigung mit einem feuchten Lappen. „In den Pfeifen setzt sich durch das Abbrennen der Kerzen viel Ruß ab“, erklärt der Fachmann.

Etwas schwieriger als die Pfeifenreinigung gestaltet sich der Kampf gegen den Schimmel, der sich auf manchen Pfeifenbrettern breit gemacht hat. Sie werden abgesaugt und mit alkoholhaltigen Konzentraten gereinigt. „Viele Kirchen heizen im Winter nur auf einem Minimum und drehen zu den Messen dann kräftig auf“, erläutert Klein. „Es bildet sich eine Art Tau.“ Damit dieser unerwünschte Effekt künftig vermieden wird, regulieren computergesteuerte Kirchenfenster in Abhängigkeit von Temperatur und Luftfeuchtigkeit die Luftzufuhr.

Nachintonation folgt auf Reinigung

Nach der Reinigung und dem Einbau aller Teile gib es laut Klein eine rund 14-tägige sogenannte Nachintonation. „Wir prüfen die Töne, machen sie zum Beispiel lauter oder leiser.“ Klein verspricht, dass Organist und Gemeinde die Reinigungsarbeiten bemerken werden. „Die Orgel braust und geht ab“, sagt er und ergänzt: „Darauf kann man gute Literatur spielen.“

SOCIAL BOOKMARKS