Richter: Rennen nicht sicher nachweisbar
Symbolfoto: dpa
Wegen fahrlässiger Körperverletzung ist ein 20-jähriger Ennigerloher zu einer Geldbuße verurteilt worden.
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Dass er am 27. März vergangenen Jahres auf der Straße Up’n Kiwitt in Richtung Vellerner Straße „sportlich“ losgefahren sei, ließ der Ennigerloher seinen Rechtsanwalt vor dem Jugendrichter einräumen. Der Auszubildende bedauerte zudem außerordentlich, den Unfall im Einmündungsbereich mit der Vellerner Straße verursacht zu haben. Er gab allerdings auch zu Protokoll, dass er sich am fraglichen Tag gegen 19 Uhr keinesfalls ein Kraftfahrzeugrennen mit einem heute 22-jährigen Ennigerloher geliefert habe. 

 „Das war auf keinen Fall ein Rennen“

Im Mittelpunkt des Gerichtsverfahrens am Warendorfer Amtsgericht stand am Montag die Frage, ob es vor dem Unfall, bei dem drei Personen verletzt wurden, ein illegales Rennen mit Beteiligung des Angeklagten gegeben hatte. 

Die Anklageschrift legte dem Auszubildenden zur Last, auf der Straße Up’n Kiwitt seinem Pkw gleichzeitig mit dem Fahrer eines grünen Kleinkraftrads beschleunigt zu haben und dann ungebremst in den Einmündungsbereich mit der Vellerner Straße eingefahren zu sein, wo es zum Unfall kam. 

„Das war auf keinen Fall ein Rennen“, versicherte auch der 22-jährige Ennigerloher, der am fraglichen Tag mit einem nicht für den Straßenverkehr zugelassenen sogenannten „Pitbike“ unterwegs gewesen war und gestern als Zeuge vernommen wurde. „Das Auto hat 100 PS, das Pitbike 8,56“, sagte der Ennigerloher. Auch die Straße sei denkbar ungeeignet für ein Rennen. „Wenn man so etwas vorgehabt hätte, dann auf keinen Fall da. Nach 150 Metern kommt sofort ein Stoppschild.“ 

Dass beide Fahrzeuge gleichzeitig und schnell losgefahren seien, hatte ein 15-jähriger Schüler beobachtet, der am fraglichen Tag mit einem Trecker auf einem anliegenden Feld unterwegs war. „Vielleicht zehn Sekunden“ seien beide Fahrzeuge nebeneinander gefahren, sagte der Schüler. 

Geldbuße von 300 Euro

Während der Vertreter der Staatsanwaltschaft mit Blick auf die Aussagen des 15-jährigen ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen als erwiesen ansah, gab es dafür nach Ansicht der Verteidigung keine ausreichenden Beweise: „Das ist eine reine Vermutung.“ 

Dieser Ansicht folgte der Jugendrichter in seinem Urteil. Der 20-jährige wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldbuße von 300 Euro und sechs Monaten Führerscheinentzug verurteilt. Weil der Führerschein nach dem Unfall beschlagnahmt worden war, erhielt ihn der Ennigerloher im Gerichtssaal zurück. „Wir können ein Kraftfahrzeugrennen nicht mit der erforderlichen Sicherheit annehmen“, begründete der Richter sein Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist.

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