Schutz für Kinder in  schweren Zeiten
Bild: Helmers
Weil sich ihre Eltern nicht um sie kümmern können, leben diese Kinder in der Wohngruppe Fifikus in Ennigerloh. Ihre Namen sollen zu ihrem Schutz nicht genannt werden.
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Ihre psychisch kranke Mutter erhält Hilfe, damit sie sich bald wieder um ihre Tochter kümmern kann.

Lilly (alle Namen geändert) reitet gern, Daniel (13) ist Mitglied der Jugendfeuerwehr, und Tim (11) liebt Fußball. Eines haben die insgesamt neun Jungen und Mädchen zwischen 5 und 14 Jahren, die in der Wohngruppe Fifikus leben, gemeinsam. Ihre Eltern können sich nicht so um sie kümmern, wie sie sollten.

Es gehe nicht darum, den Eltern die Schuld zu geben, betont Hubert Bonekamp, Bereichsleiter beim Caritasverband im Kreisdekanat Warendorf. „Eltern behandeln ihre Kinder nicht vorsätzlich schlecht – selbst dann nicht, wenn sie sie schlagen.“ Das sei immer ein Ausdruck von Überforderung. „Wir fragen: Wie es ist zu den Problemen gekommen? Und was können wir tun, um etwas zu ändern?“

Ein Jahr, vier Monate und 9 Tage: Der 13-jährige Daniel weiß genau, wie lange er schon in der Wohngruppe Fifikus lebt. „Vorher habe ich mich oft mit meiner Mutter gestritten und nicht richtig auf sie gehört“, erklärt er. Inzwischen sind ihm die Wochenenden, die er bei seiner Mutter verbringt, heilig. Aber auch in Ennigerloh hat der technikbegeisterte Junge inzwischen Freunde gefunden, ist der Jugendfeuerwehr beigetreten und strebt eine DJ-Karriere im Jugendzentrum an. „Zu Weihnachten habe ich ein Mischpult bekommen“, sagt er. Ein Geschenk von seiner Mutter.

„Schwierige Zeiten“ hätten die Kinder erlebt, sagt Bereichsleiter Hubert Bonekamp. „Aber die Eltern bleiben die Eltern.“ Von Anfang an werde darauf hingearbeitet, dass die Kinder zu ihren Familien zurückkehren könnten. Es gibt regelmäßige Besuchszeiten, und neutrale Berater helfen den Eltern dabei, sich auf ein erneutes Zusammenleben vorzubereiten. Es sei wichtig, die Eltern im Boot zu haben. „Sonst sind die Kinder die Leidtragenden.“

Auch Tim habe mit seiner Mutter eine schwere Zeit durchgemacht, sagt Bonekamp. Der Elfjährige wurde vernachlässigt. In der Wohngruppe hat er mit Daniel einen Freund gefunden, der sich genauso für Technik interessiert wie er. Sie hätten eine Lichtanlage gebaut, sagt Tim stolz. „Damit machen wir in der Wohngruppe Kinderdisko.“

Mehr zu diesem Thema, wie unter anderem ein Interview mit Kreisjugendamtsleiter Wolfgang Rüting, lesen Sie in der „Glocke“-Ausgabe am Samstag, 12. Juli 2014.

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