Syrer holt Familie nach Ennigerloh
Bild: Helmers
Sich helfen zu lassen, ist den Verwandten von Kenan A. unangenehm. Aber nach ihrer Flucht aus Syrien, bei der sie alles verloren haben, benötigen sie jetzt vor allem Geld. Das Bild zeigt Kenan A. aus Ennigerloh mit der ehrenamtlichen Helferin Ingeborg Pust und seinen Söhnen Mustafa (l.) und Mohammed.
Bild: Helmers

Der Säugling kam auf der Flucht zur Welt. Ihn und zehn weitere seiner Familienmitglieder hat der Ennigerloher Kenan A. jetzt zu sich geholt. Mehr als ein halbes Jahr haben er und seine Frau Tamara sich dafür eingesetzt. Beide hatten bis zuletzt nicht geglaubt, dass sie es schaffen. Die Verwandten – Mutter, Schwester, Bruder und zwei Schwager von Kenan A. mit insgesamt sechs Kindern – sind zwar vorläufig in Sicherheit. Doch damit ist der Einsatz des Ennigerloher Ehepaars nicht zu Ende.

Denn die Syrer erhielten keine staatlichen Leistungen, betont Ingeborg Pust, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge einsetzt. „Sie kamen über ein Landesprogramm zur Aufnahme von Angehörigen her. Nur die Krankenkasse wird bezahlt.“ Alles andere – Flugkosten, Grundausstattung, Lebensunterhalt – müssen Kenan und Tamara A. selbst mit ihrem kleinen Einkommen bezahlen.

Ingeborg Pust war dabei, als die Familie vom Düsseldorfer Flughafen abgeholt wurde. „Sie wissen, dass sie nur dank der Großzügigkeit anderer hier sein dürfen. Das ist für sie keine sehr schöne Sache.“ Auch Tamara A. spürt das. „Sich helfen zu lassen, ist ihnen unangenehm.“ Für einen Schwager ihres Mannes sei es besonders hart. „Er war früher selbstständig und hat immer allein für seine Familie gesorgt.“

Auch für Kenan und Tamara A., die selbst drei Kinder haben, ist die Situation schwierig. Sie müssen weiter viel organisieren und eine Duldung bei der Ausländerbehörde des Kreises Warendorf beantragen. Die Flüchtlinge durchlaufen kein Asylverfahren. „Alle Dokumente müssen von einem vom Landgericht bestellten Übersetzer ins Deutsche übertragen werden“, sagt Tamara A. Das macht deutlich: Die Familie benötigt Geld. Für die Behörden, für die zwei Wohnungen, die sie gemietet haben, für Lebensmittel, Medikamente und die Grundausstattung für die Verwandten, die selbst nichts besitzen.

Die beiden Ennigerloher Kirchengemeinden helfen bereits, auch einige Privatleute hat das Schicksal der Flüchtlinge bewegt. Aber reichen wird das noch nicht. „Sie benötigen vor allem Geld, keine Sachspenden“, betont Ingeborg Pust. Wer spenden will, kann sich im Pfarrbüro St. Jakobus unter Tel. 02524/26770 oder bei Ingeborg Pust unter  Tel. 02524/3861 melden.

„In Homs ist jetzt alles zerstört“

Nachdem ihnen die Flucht aus Homs geglückt war, waren die Verwandten des Ennigerlohers Kenan A. im Libanon untergebracht. Monatelang lebten alle elf zusammen in einem Raum. Bereits zu dieser Zeit schickte ihnen Familie A. Geld aus Deutschland und schränkte sich selbst dafür stark ein. „In Homs ist jetzt alles zerstört“ , sagt Kenan A. Seine Frau Tamara fügt hinzu: „In dem Viertel, in dem seine Familie lebte, hat der Bürgerkrieg angefangen.“

Das Programm, das das Land NRW für syrische Flüchtlinge eingerichtet hat, ermöglicht es ihren Verwandten in Deutschland, sie aufzunehmen. Diese müssen dann für sie sorgen und dafür ein Gehalt nachweisen, das Kenan A. jedoch nicht hat. Über den Flüchtlingsrat NRW stießen er und seine Frau Tamara dann auf einen Mann aus Dinslaken, der syrischen Flüchtlingen helfen will. „Mit seinem Gehalt konnte er für fünf von ihnen eine Verpflichtungserklärung unterschreiben“, sagt Tamara A. „Und das, obwohl er selbst vier Kinder hat.“ Damit alle elf Verwandten einreisen konnten, haben auch der Bruder und der Schwager des Wohltäters aus Dinslaken für sie unterschrieben. „Ich bin allen so dankbar, die uns unterstützen.“

Sorgen muss sich Kenan A. trotzdem noch um Angehörige in Syrien machen. Zwei seiner Schwestern sind noch in Homs. Deshalb will er seinen Nachnamen nicht nennen. Er befürchtet, dass seiner Familie Gefahr droht, wenn das Assad-Regime ihn erfährt.

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