Vier Jahre Haft für 60-jährigen Mann

Wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs an seinem nunmehr neunjährigen Neffen sowie der Bedrohung und versuchter Nötigung von dessen Eltern ist ein 60-jähriger Mann aus Ennigerloh zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

Bei häufigen Besuchen seines Neffen und dessen elfjähriger Schwester nach seiner jüngsten Haftverbüßung im Herbst 2011 hatte der Mann den Jungen am ganzen, teilweise unbekleideten Körper gestreichelt und auch dessen Genitalien manipuliert, wie es in der Anklageschrift formuliert war.

Bei der Strafbemessung wurde von der Kammer berücksichtigt, dass diese Handlungen sich „an der unteren Grenze“ des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen bewegten und er sich geständig gezeigt hatte.

Für das Gericht wog schwer, dass der Ennigerloher die Eltern des Jungen mit Morddrohungen schwer genötigt habe, nachdem Teile der Wahrheit ans Licht kamen und die Eltern ihren Kindern den Umgang mit diesem Onkel untersagten. Der 60-Jährige wollte wieder mit den Minderjährigen in Kontakt kommen.

Die Staatsanwältin, die für die Straftaten vier Jahre und neun Monate gefordert hatte, rügte den Versuch des Angeklagten, seine Taten zu verharmlosen. Die Einlassungen des 60-Jährigen, er habe dem Jungen nur Gutes tun wollen, bezeichnete sie als „Blödsinn“. Sie erkannte aber an, dass man wegen der tendenziellen Geständigkeit des 60-Jährigen auf die Vernehmung der Kinder hätte verzichten können.

Zuvor hatte eine Gutachterin den Angeklagten als voll schuldfähig beurteilt, bei ihm aber eine Persönlichkeitsstörung festgestellt, von eigenem Fehlverhalten abzulenken und sich als moralische Instanz zu benehmen. Eine „pädophile Kernneigung“ sei bei ihm nicht auszumachen. Der Angeklagte zeige dissoziale Tendenzen und egozentrisches Verhalten. Einer Therapie habe er bisher nicht zugestimmt.

Nach der Urteilsverkündigung gab der Ennigerloher an, von juristischen Einwänden gegen das Urteil abzusehen, wenn er in der Haft eine Therapie machen könne. Der Richter ermahnte den Angeklagten, diese Chance zu nutzen. Bei erneuter Straffälligkeit komme andernfalls eine Sicherungsverwahrung in Erwägung.

SOCIAL BOOKMARKS