Weißstickerei spielt mit Licht und Schatten
Bild: Helmers
Zur Aussteuer gehörten viele Stücke, die in der Sonderausstellung mit Weißstickereien in der Alten Brennerei Ennigerloh zu sehen sein werden. Monika Schmillenkamp zeigt Kleidung, Bettwäsche und Tücher.
Bild: Helmers

Als die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff lebte, waren Weißstickereien in Mode. Das beweist ein Ziertuch ihrer Schwester Jenny. Weiß auf Weiß ist darauf „Gott Segen Jenny von Droste“ zu lesen. Dieses und viele andere feine Stücke zeigt die Ennigerloherin Monika Schmillenkamp in der Ausstellung „Weißstickereien vom Biedermeier bis zur Gegenwart“.

Die Weißstickerei bedeutet, was der Name vermuten lässt: Blumen, Ornamente oder Buchstaben entstehen mit weißem Faden auf weißem Stoff. Laut Monika Schmillenkamp, Initiatorin des Museums „Stickerei, Spitze & Co.“, wurde diese Technik im 11. Jahrhundert zum ersten Mal urkundlich erwähnt. „Zuerst wurde die Handarbeit in Klöstern gelehrt“, erklärt sie. „Altartücher, Paramente und kirchliche Gewänder trugen diese Verzierungen. Bald hielt die Weißstickerei Einzug in Handarbeitskreise der gehobenen Schicht.“ Ihre Blütezeit habe sie vom 17. bis zum 19. Jahrhundert erlebt.

Das Spiel mit Licht und Schatten findet Monika Schmillenkamp besonders reizvoll. Die meisten Exponate stammen aus ihrer privaten Sammlung, aus der sie vieles noch nie öffentlich gezeigt hat. Einige Stücke hat sie selbst gefertigt. Andere Exponate sind Leihgaben von Bekannten aus München, Stuttgart und Zürich. Bettwäsche, Hauben, Tischtücher und Taufkleider – unzählige Stunden Handarbeit stecken in den Weißstickereien, die die Sonderausstellung zeigt. „Vieles gehörte zur Aussteuer“, erklärt Monika Schmillenkamp. „Jahrelang arbeiteten die Mädchen und Frauen daran. Schließlich sollte es ein Leben lang halten.“ Auch ein Sonnenschirm aus der Zeit um 1900 hat es der Handarbeitsexpertin besonders angetan. „Er war damals wichtig. Die Frauen wollten ihre vornehme Blässe behalten.“ Auch Stickmuster sind zu sehen, das älteste ist von 1789.

Das Ziertuch, das Jenny von Droste-Hülshoff gehörte, erstand Monika Schmillenkamp auf einem Antikmarkt in Münster. Ob die ältere Schwester und wichtigste Vertraute der Dichterin das Tuch selbst verzierte, weiß die Ennigerloherin nicht. „Aber es ist bekannt, dass Annette von Droste-Hülshoff gern gestickt hat.“

SOCIAL BOOKMARKS