Zeitreise in der Pölinger Heide
Bild: Wille
Der gelernte Holzbildhauer Franz Bories aus Enniger hat immer etwas zu tun. Seiner Leidenschaft, der Holzbildhauerei, geht er meist nur im Winter nach. Denn in seinem 2500 Quadratmeter großen Garten gibt es jetzt in der Sommerzeit jede Menge zu tun.
Bild: Wille

Verwunschen steht sie da, wartet förmlich nur darauf, dass jemand ihre Geschichte entdeckt. Franz Bories greift zu Hammer und Meißel und rückt der Holzstatue mit ein paar kräftigen Hieben zu Leibe. Der 82-Jährige ist gelernter Bildhauer. „Das hier ist eines der ältesten Gebäude in Enniger“, sagt er und lächelt. Wenn er Gästen seine alte Werkstatt zeigen darf, gerät der Rentner ins Schwärmen. Das urige kleine Gebäude inmitten von Blumen nutzt er heute, um seine Kunstwerke zu schaffen, „aber eigentlich nur im Winter“, sagt er. Denn jetzt im Sommer gibt es in seinem riesigen Garten, der eher an einen Park erinnert, jede Menge zu tun.

Aus Werkstatt wird Partyhütte

Bories renovierte die Werkstatt vor gut 50 Jahren. Die Fensterklappen hat er mit einem Wappen bemalt, an dessen beiden Seiten zwei Engel zu sehen sind – als Symbol für seine beiden Kinder. Den alten Ofen hat der Holzbildhauer auch aufgehübscht. Einst ist die Werkstatt ein Backhaus gewesen. Dort backten die damaligen Besitzer ihr Brot sowie Birnen und Pflaumen – alles für den Eigenbedarf.

Hinter der Tür der alten Werkstatt verstecken sich viele Geschichten.

 „Das war früher auf dem Land so, man hat sich selbst versorgt“, sagt Bories. Auch ein Rollschuhmacher und ein Korbflechter sind in dem Häuschen einst ihrem Handwerk nachgegangen. Als Bories seine Frau heiratete und bei ihr einzog, wuchs irgendwann der Wunsch, aus der Werkstatt etwas Besonderes zu machen. Es sollte eine Partyhütte werden. „Wir haben hier schon Silvester mit zwölf Leuten gefeiert und sogar getanzt“, erinnert sich der 82-Jährige. „Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, sagt er und grinst.

Geschichten sollen weiter erzählt werden

Aber das ist längst nicht die letzte Geschichte, die in der Werkstatt über die Jahre geschrieben worden ist. Franz Bories funktionierte das Gebäude wieder zu einer Werkstatt um. Früher hat er dort Transparente und Fahnen für den Enniger Markt angefertigt. Denn Bories war lange Zeit im Marktausschuss aktiv. Der Holzbildhauer ist mit seiner Werkstatt älter geworden. Zur Ruhe setzen will er sich aber noch lange nicht. Und auch die Geschichten um das alte Gebäude sollen weiter erzählt werden.

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