Auf Spuren von Stevenson und Modestine

15 Tage waren die Achtklässler der Waldorfschule Everswinkel in Südfrankreich unterwegs, um auf den Spuren des Dichters R.L. Stevenson zu wandeln. Mit dabei waren vier Esel als Lastenträger und schmusige Begleiter. Wer mehr über die Angebote der Waldorfschule erfahren will, sollte am Samstag, 28. September, ab 9 Uhr den „Tag der offenen Tür“ besuchen.

Ziel war ein kleiner Ort in den Cevennen, durch den sich der schottische Dichter R.L. Stevenson („Die Schatzinsel“) 1878 mit seiner Eselin Modestine auf die Wanderung Richtung Süden gemacht hatte. Zusammen mit vier Vierbeinern folgten die Schüler den Spuren des Dichters.

Der „Stevenson“- Weg ist heute als GR 70 gut markiert und führt ins 180 Kilometer entfernte Städtchen St. Jean du Gard, dem Ende der Wanderstrecke.

Jeder Tag stellte die Achtklässler vor sportlich anspruchsvolle Herausforderungen, die mit dem Gebirgszug um den Mont Lozère – 1699 Meter– einen Höhepunkt im doppelten Wortsinn fanden.

In den ersten Tagen ging es eher schleppend voran, zu ungewohnt waren für die Münsterländer die steilen, steinigen Anstiege und die rutschigen, felsigen Abstiege. Aber mit jedem Tag wuchsen Kraft und Ausdauer, am Ende der Wanderung waren zweistündige Aufstiege ohne Pausenunterbrechung selbstverständlich. Der Zusammenhalt in der Klasse, die Gespräche während der Wanderungen, das gegenseitige Helfen und Rücksichtnehmen wurden stetig intensiver und mit jedem Schritt machte das Gefühl der Anstrengung dem der Freude über die bewältigten Etappen Platz.

Nach der ersten Nacht, die bei minus zwei Grad kaum zum Schlafen einlud, kletterte das Thermometer täglich auf bis zu 30 Grad, und auch die Nächte wurden – je näher das Mittelmeer rückte – wärmer. Selbst auf den Höhenzügen des Mont Lozère verwöhnte die Sonne die Schüler und bot fantastische Ausblicke auf die Bergwelt des Zentralmassivs.

Täglich mussten die 13 Zelte auf neuen (Camping-)Plätzen auf- und abgebaut werden und wechselnde Küchengruppen kochten einfache, aber schmackhafte Mahlzeiten. Abends gab es Besprechungen über den Fortlauf der Wanderung und ein gemeinsames Singen im Kreis. Diese Erlebnisse schweißten die Klasse eng zusammen. Besonders erfreut waren die Schüler immer dann, wenn der Zeltplatz an einem der vielen Flüsse lag und der Muskelkater im kalten Flusswasser gekühlt werden konnte. Besonders in Florac, einem malerischen, alten Städtchen, das an der Tarn liegt, war die Freude groß, denn nach dem kühlen Bad gab es am Flussufer noch ein Lagerfeuer.

Die vier begleitenden Esel waren längst zu guten Freunden der Klasse geworden. Sie trugen den täglichen Proviant und in Notfällen auch einmal den Rucksack. Ihr morgendlicher Ruf weckte nicht selten alle Schläfer und forderte Wasser und Nahrung ein. Es waren freundliche, stets hungrige, weniger störrische Begleiter, deren ausgeprägte Persönlichkeiten manchmal energische Maßnahmen erforderten. Sie wuchsen der ganzen Klasse sehr ans Herz und der Abschied von ihnen in St. Jean du Gard war für alle bewegend.

Nach 15 Tagen kehrte die Klasse ins Münsterland zurück – freudig erwartet von den Eltern. Diese konnten drei Tage nach der Rückkehr in Vorträgen und Kurzreferaten einen kleinen Einblick in das, was ihre Kinder auf dem „Stevenson“-Weg erlebt hatten, bekommen – und vielleicht auch Lust darauf, sich ebenfalls irgendwann auf diesen Weg zu machen.

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