Axtprozess schreibt Justizgeschichte
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Der Telgter Axtprozess am Landgericht Münster wird zur Hängepartie.
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Ihm geht es mittlerweile wieder besser.

Nach mehreren Verschiebungen wurde auch der gestrige Verhandlungstag abgesagt – und die für kommenden Dienstag und Mittwoch angesetzten Termine gleich mit. Nun soll es nach den Osterferien am 21. April weitergehen. Damit will die 1. Große Strafkammer Luft aus dem Kessel nehmen, nachdem die Angeklagten und ihre acht Verteidiger am 16. März anfangs noch sehr dicht beieinander gesessen hatten. Damals war allerdings nicht bekannt, dass sich ein Rechtsanwalt mit Corona infiziert hatte.

Noch vor kurzem wäre eine so lange Prozesspause nicht möglich gewesen. Das Verfahren hätte ein drittes Mal komplett neu aufgerollt werden müssen. Doch in Zeiten der Pandemie ist alles anders. Denn im Corona-Begleitgesetz beschloss der Bundestag eine Änderung der Strafprozessordnung, um zu verhindern, dass wegen der Pandemie Strafverfahren platzen. Gerichte können jetzt eine Hauptverhandlung für maximal 100 Tage unterbrechen.

Im Telgter Prozess stellt sich nun die Frage, ob die Hauptangeklagten, die sich aus dem Türsteher-Milieu kennen, so lange in Untersuchungshaft bleiben dürfen. Das betrifft den 32-jährigen polnischen Staatsbürger aus Wettringen. Er hatte dem Opfer, einem 27-jährigen Telgter, im Mai 2019 die stumpfe Seite einer Axt gegen den Kopf geschlagen. Und es betrifft den 20 Jahre alten Telgter Anstifter der Tat, der das Opfer mit Fußtritten traktierte. Dessen Anwalt hatte seine Haftentlassung beantragt, was die Kammer ablehnte. Immerhin gehe es um versuchten Totschlag. Nun liegt die Haftbeschwerde beim Oberlandesgericht in Hamm.

Außerdem sitzen ein 20 Jahre alter Mann aus Ostbevern und eine 18-Jährige aus Telgte auf der Anklagebank. Der 20-Jährige soll Begleiter des Opfers mit einem Schlagstock in Schach gehalten haben. Die junge Frau fuhr die Männer mit dem Auto zum Tatort, griff in das weitere Geschehen nicht ein und ist deshalb wegen Beihilfe angeklagt. Gravierend wirkt sich der lange Prozess auf das Opfer aus. Immer wieder wird er als Zeuge geladen, immer wieder muss er sich an die Nacht erinnern, die er nur mit viel Glück überlebte. Ein normales Leben kann er seither nicht mehr führen.

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