Besucher werden zu Flüchtlingen
Bild: Rath
Für drei Dinge, die sie mit auf die Flucht nehmen will, muss sich Celine in kürzester Zeit entscheiden, nachdem sie in der Kirche von den Angriffen gehört hat.
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 An zwei Tagen hatten die Mitarbeiter des Projekts, das durch Deutschland und die Schweiz tourt, eine multimediale Ausstellung auf dem Kirchplatz vorgestellt. Dabei ging es um den Bürgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo und der damit verbundenen Flucht von mehr als 500 000 Menschen aus ihrem Heimatland. Die Besucher hatten die Möglichkeit, in die unterschiedlichen Rollen der flüchtenden Bürger zu schlüpfen und in sechs Räumen, die in dem Lkw eingerichtet worden waren, den Weg aus der gefährdeten Heimat zu bestreiten. Dabei bekamen sie interaktiv Informationen über Bildschirme und Kopfhörer, und mussten in einigen Situationen selbst schwierige Entscheidungen treffen.

„Mit der Ausstellung wollen wir das Bewusstsein für die ernste Lage in Kriegsgebieten und die Flucht der Menschen schaffen“, erklärte Melanie Deter. Zusammen mit Andreas Zimmermann leitete sie am Freitagvormittag zwei zehnte Klassen der Verbundschule durch die Ausstellung. Dabei seien auch einige Jungen sehr emotional geworden. „Viele finden es erschreckend, wie schnell alles gehen muss und wie viel man auf einmal verliert“, sagte sie.

Auf dem Marktplatz im Ostkongo beginnt die Tour: Dort nehmen die Besucher einen von acht Charakteren an, wie beispielsweise den der 16-jährigen Sara. Im nächsten Raum, der Kirche, erfahren sie von der Bedrohung ihrer Heimat – und müssen in aller Kürze ihre Sachen für die Flucht packen. Aber welche drei Dinge sind am wichtigsten? Mit einem QR-Code auf den Charakterkarten müssen die Besucher ihre persönliche Entscheidung auf einem Bildschirm antippen. Los geht die Flucht auf einem Lkw und führt zu einer Verwandten der Personen. Als nächstes steht noch eine weitere wichtige Entscheidung an: Flüchtet die Person nach Bukavu und kann somit im Kongo bleiben oder wird sie bis nach Nairobi in Kenia reisen? Am Ende der Tour haben die Besucher die Möglichkeit einer Reflektion: Schätze ich mein sicheres Leben in Deutschland? Habe ich selbst schon einmal einem Flüchtling geholfen und wie kann ich selbst bereits mit kleinem Engagement aktiv werden?

Mehr zum Thema lesen Sie in der Montagsausgabe der „Glocke“.

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