Das Ende eines Gotteshauses
Bild: Stempfle
Baufällig und kaum besucht: Die Johanneskirche im Norden von Telgte hat bald ausgedient. Sie wird im kommenden Jahr abgerissen.
Bild: Stempfle

„An der Entscheidung gibt es nichts mehr zu rütteln“, sagt der Telgter Propst Heinz Erdbürger. Knapp sieben Jahre ist der Geistliche nun in der Emsstadt tätig. Dass er in solch kurzer Zeit dabei helfen soll, eine der vier zur fusionierten Gemeinde gehörenden Kirchen aufzulösen, hätte er zu Anfang seiner Amtszeit nicht gedacht. Es ist die Geschwindigkeit und nicht die Entwicklung, die ihn und alle Beteiligten überrascht hat.

Baufällige Kirche beschäftigt Bistum

„Eigentlich“, so erinnert sich der Probst, „wollten wir als Gemeinde nur das neben der Kirche liegende Pfarrzentrum renovieren.“ Das war im Jahr 2009. Einen fertigen Plan des Kirchenvorstands habe man dazu beim Bistum eingereicht. Postwendend kam die Antwort und die Frage des Bistums Münster stand zum ersten Mal im Raum, was denn mit der Johanneskirche zu tun sei. Das Gotteshaus ist gleich an mehreren Stellen baufällig und müsste ebenfalls grundlegend renoviert werden. Gemeinsam setzte sich Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat zusammen, um eine Antwort zu finden. „Wir hatten die Idee, ein neues Pfarrzentrum in die Kirche hineinzubauen“, erläutert Erdbürger.

Trotz Konzept fällt Entscheidung gegen Gotteshaus

Wieder wurde ein Konzept ausgearbeitet und wieder dem Bistum vorgelegt. Doch das hatte in Anbetracht von Kosten für den Umbau zwischen drei bis vier Millionen Euro und stetig sinkender Besucherzahlen während der Gottesdienste wieder Bedenken und lehnte das Konzept als nicht realisierbar ab. Im Juli dieses Jahres dann die Entscheidung: Die Kirche muss aufgegeben werden.

Gemeinde tief betroffen

Weil an der Tatsache, das Gotteshaus zu profanieren, nichts zu ändern gewesen sei, habe man sich schweren Herzens für den Abriss des heiligen Gebäudes entschieden. „Der Beschluss war in gewisser Weise absehbar und kam nicht überraschend“, betont der Probst. „Trotzdem herrscht in der Gemeinde eine tiefe Betroffenheit. Und jeder Schritt, den wir in diese Richtung gehen, tut weh.“

Letzte Messe am 24. Juni

Am 24. Juni hält Weihbischof Stefan Zekorn die letzte Messe in St. Johannes Evangelist. Darauf folgt die Profanierung. Wann der Abriss stattfindet, weiß der Probst noch nicht. Fakt ist jedoch schon jetzt, was mit dem freiwerdenden Kirchengrundstück passieren soll: Ein Neubau des Pfarrheims soll weiter als Zentrum und Treffpunkt für die Gemeindemitglieder dienen. Auch der angrenzende katholische Kindergarten profitiert. Er soll erweitert und umgebaut werden.

SOCIAL BOOKMARKS