Fund für Telgtes Geschichtsbücher
Bild: LWL
Als Entsorgungsgrube aus dem 11./12. Jahrhundert beschreiben Archäologen des LWL diese Grabung. Die dunkle Schicht stammt nach Expertenmeinung aus dem 13./14. Jahrhundert.
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Archäologen vom Fachamt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) haben seit Jahresbeginn die Tiefbauarbeiten begleitet. In der Emsstadt wird in Teilen des Zentrums das Netz an Versorgungsleitungen erneuert. Bei den dafür notwendigen umfangreichen Erdarbeiten entdeckten die Archäologen in einer Tiefe von 60 bis 80 Zentimetern eine schwarze Bodenschicht mit großen Mengen an Holzkohle, Brandlehm und Keramikscherben.

Eisen und Keramik

Dass der Bereich um den Marktplatz der Wallfahrtsstadt bereits vor der ersten urkundlichen Erwähnung Telgtes (1238) intensiv genutzt wurde, zeigt eine Abfallgrube mit Spuren der Eisen- und Buntmetallverarbeitung. „Keramische Funde aus dieser Grube ermöglichen eine erste zeitliche Einordnung ins 11. und 12. Jahrhundert“, sagt ein Sprecher des LWL. Ebenso haben die Mitarbeiter des Fachamts für Archäologie eine alte Fahrrinne freigelegt, die die Experten darauf schließen lassen, dass dort Wagen mit einer Spurbreite von 1,20 Meter gefahren sind. Mit diesen Funden lassen sich erste Eindrücke vom Alltagsgeschehen im mittelalterlichen Telgte gewinnen. „Marktplätze markieren mit ihren Rathäusern und Ortskirchen den ältesten Siedlungskern einer Stadt“, erklärt Grabungsleiter Andreas Wunschel. „Daher sind diese Areale für die archäologische Bodendenkmalpflege besonders vielversprechend.“ 

Weitere Einblicke erwünscht

Es bleibt nach Wunschels Auffassung abzuwarten, ob sich auch noch Erkenntnisse zur jüngeren Geschichte Telgtes auftun. Bisher zeigte sich, dass für den modernen Straßen- und Platzunterbau im letzten Jahrhundert mitunter tief in den Untergrund eingegriffen wurde und bis dahin erhaltene Schichten zerstört wurden. Die Baumaßnahmen und damit auch die archäologischen Untersuchungen in Telgte werden mehrere Monate andauern. Nach den ersten Erkenntnissen besteht seitens des LWL die Hoffnung auf weitere Einblicke in die frühe Geschichte der Städte und ihre Entstehungsphasen.

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