Lachen live: Ein starkes Stück Satire
Bild: Clauser
Können bei „Lachen live“ ausnahmsweise auch einmal auf Mimik setzen: Maria Grund-Scholer und René Steinberg.
Bild: Clauser

Längst haben die Auftritte der beiden Stimmimitatoren im Hörfunk Kultstatus erreicht. Zum Vergnügen ihres Publikums ließen sie ihre populären Protagonisten der Reihe nach akustisch aufmarschieren: die quirlige Familie von der Leyen mit der nervigen Mutter, Hexenmeisterin Angela und ihren kriecherischen Aufseher Pofalleraf vom Schloss Koalitionsstein oder den hyperaktiven Sarko de Funes.

Zuvor gab es allerdings erstmal eine kleine Lehrstunde in Sachen Stimmparodie: Angeleitet von den Profis auf der Bühne hatte das Auditorium Zischlaute im Stil von Jürgen Rüttgers oder nasale Töne á la Ulla Schmidt im Chor nachzuahmen. Zu den Höhepunkten des gut zweistündigen Programms zählten fraglos die Auftritte der Berliner Regierungschefin.

Maria Grund-Scholer beherrscht deren Kopie aus dem Effeff, bedient sich auf der Bühne neben Perücke und Blazer auch einer ausgeprägten Merkel-Mimik. Mit weit heruntergezogenen Mundwinkeln sinnierte sie knochentrocken über Beschneidungsgesetze oder die Beseitigung politischer Nebenbuhler. Ganz stark: die Lesung der zunehmend angesäuselten Angela aus ihrem Tagebuch.

Im Gegensatz zu seiner Partnerin setzt René Steinberg beim Liveauftritt durchaus auf Körpereinsatz. Seine Sarko-Parodien, textlich wohl nicht das Beste im Programm, gleichen einem Veitstanz. Seinen stärksten Auftritt hat Steinberg aber in der Rolle von Reiner Calmund, dem „einzigen Rheinländer, der aus dem Weltall erkennbar ist“. Dessen heisere Stimme, immer wieder unterbrochen von kurzatmigem Geröchel, bringt den Zuhörer nicht nur zum Lachen, sondern auch dazu, zwischendurch unwillkürlich selbst nach Luft zu schnappen.

Insgesamt ein starkes Stück Satire, das das Duo auf seiner Abschiedstournee präsentiert. Der zwischenzeitlichen Einspielungen von Radio-Stilblüten bedürfte es da eigentlich gar nicht. Übrigens bleibt auch die Frage ungeklärt, wer eigentlich die Kinderstimmen bei den von der Leyens spricht, die ebenfalls als Tonkonserve aus dem Off kamen. Ansonsten aber steht fest: Radio zum Zugucken: Ja, das geht!

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