Lottoglück und Pflaumenschnaps
Bild: Mettelem
Um Pflaumenschnaps und Lottoscheine ging es beim Theaterstück „John und Joe“ mit den beiden Protagonisten Gunther Möllmann und Michael Grunert (v.l.).
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Oder kann man mit Intelligenz Geld verdienen? Man einigt sich darauf: Entweder hat man einen Sinn fürs Geschäft oder einfach Glück. Das kommt in dem Theaterstück „John und Joe“ von Agota Kristof allerdings in Form eines Lottoscheins, der zunächst dem einen, durch Zufall – oder Jackentausch – dem anderen gehört.

Die beiden stark spielenden Protagonisten, Gunther Möllmann als John und Michael Grunert als Joe, kitzeln den unweigerlichen Konflikt mit feinem Wortspiel und szenischer Darstellung heraus. Erst allmählich wird John klar, dass Joe mit dem Gewinn aus dem Lottoschein leicht eine Zeche bezahlen kann, die man sich sonst nie hätte leisten können. Das Hin und Her der Diskussion um die rechtmäßigen Besitzansprüche auf den Lottoschein scheint skurril und mit Humor verziert, stellt aber auch die Charaktereigenschaften des Menschen heraus, der sich ungerecht behandelt fühlt. Und das bei dem einen oder anderen Pflaumenschnaps, den der Kellner – alias Thomas Berend – gekonnt elegant servierte.

Das allerdings führt schließlich dazu, dass die Freundschaft der beiden perdu geht und Joe polternd den Tisch umwirft und somit ein öffentliches Ärgernis veranstaltet, mit dem Ergebnis, dass er ins Gefängnis muss. Da aber John inzwischen mit dem Lottogewinn sich neue Klamotten geleistet hat und nebenbei die Kaution für seinen Freund Joe bezahlen konnte, war die Welt wieder in Ordnung. Und es war sogar noch etwas übrig für einen Pflaumenschnaps.

Das Experiment des Everswinkeler Kulturkreises, dieses kleine Theaterstück in der intimen Atmosphäre eines Kneipensaals – in der Gaststätte Arning – aufzuführen, ist vollends gelungen. Das Publikum dankte mit einem verdienten Beifall für die drei Schauspieler des Theaterlabors Bielefeld.

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