Nasse Äcker verhindern pünktliche Ernte
Bild: Stempfle
Zufrieden sind (v. l.) Landwirt Martin Gerdemann und der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Karl Brinkmann mit der Entwicklung der Maispflanzen. Doch die Wetterkapriolen haben den Everswinkeler Erzeugern schwer zugesetzt.
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„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, betont Karl Brinkmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Everswinkel mit Blick auf die Ernte. „Einige Regionen wie in Greven sind weitaus schlimmer betroffen als wir“, ergänzt Landwirt Martin Gerdemann. Dennoch: Die Wetterkapriolen haben den Erzeugern stark zugesetzt, Brinkmann schätzt den Ernteverlust in Everswinkel beim Getreide auf bis zu 20 Prozent.

Schlecht begonnen hat das Jahr bereits mit dem milden Winter, „der eigentlich keiner war“, so Brinkmann. Auf vielen Feldern rund um das Vitusdorf haben die Landwirte Miscanthus angebaut. Das sogenannte Elefantengras benötigt Frost, um abzusterben und auf den Äckern zu trocken. Weil es in den Wintermonaten jedoch keinen Frost gab, musste das Gras im April erst aufwendig umgelagert und getrocknet werden, bevor es in den Häcksler kam. Diesen Umstand mussten viele Landwirte mit Geld und Zeit bezahlen.

Doch die Erzeuger ließen sich im April von diesem Zustand nicht die Laune verhageln, schließlich war das Getreide außerordentlich gut durch den Winter gekommen und stand aufrecht auf den Feldern. „Bis zum Pfingstmontag“, erinnert sich Karl Brinkmann. An diesem Abend zog ein schweres Unwetter durch das Münsterland, Regen und Sturm peitschten über die Felder, das Getreide wurde Richtung Boden gedrückt. Die beschädigten Stängel konnten sich in der Folge nicht mehr vollständig aufrichten. „Je reifer das Getreide, umso mehr neigt es sich Richtung Boden. Wenn es platt auf den Äckern liegt, trocknet es langsamer“, erklärt Martin Gerdemann eine zusätzliche Schwierigkeit, mit der die Landwirte zu kämpfen hatten.

Auch zu diesem Zeitpunkt verloren die Erzeuger nicht den Glauben an eine gute Ernte, obwohl der regenreiche Juli nichts Gutes verhieß. „Das hat die Gerste gut verkraften können“, so Brinkmann. Bis zum  28. Juli: Ein Unwetter setzte nicht nur ganz Münster, sondern auch die Felder unter Wasser.

 „Der Boden war von den wochenlangen Regenfällen so vollgesogen, dass er keinen Tropfen mehr aufnehmen konnte“, beschreibt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbands die Lage auf den Everswinkeler Feldern. Aufgeweichte Matschböden machten es den Landwirten und Lohnunternehmern schwer, die Äcker zu befahren, um mit der Ernte zu beginnen. Die Folge: Maschinen nahmen Schaden, der Boden wurde ungewollt verdichtet, tiefe Löcher blieben in den Äckern. „Die Lohnunternehmer hatten seit Jahren nicht mit solch schwierigen Bedingungen zutun. Kaum konnten sie ein Feld befahren, beendete der nächste Schauer ihre Arbeit“, sagt Brinkmann.

Auch das Getreide litt unter dem Wetter: Die fast liegenden Stängel waren schwer zu ernten. Das nasse Korn musste zudem aufwändig getrocknet werden. Bei der Lagerung wuchs es durch die Feuchtigkeit aus den Ären heraus weiter. Pilze konnten ungehindert zwischen den Halmen gedeihen. „So ist das betroffene Getreide nicht mehr zu verkaufen“, erklärt Gerdemann den Verlust vieler Landwirte.

Obwohl das Wetter in diesem Jahr außergewöhnliche Kapriolen geschlagen hat, wollen weder Brinkmann noch Gerdemann von einer Missernte oder gar Totalausfall sprechen. Das habe man vor allem den schlagkräftigen und einsatzbereiten Lohnunternehmern der Region zu verdanken, die bei jeder trockenen Minute im Einsatz gewesen seien.

 „Wenigstens dem Mais ist der Regen zugutegekommen“, sagt Brinkmann. Die Pflanzen seien durch die Unwetter zwar abgeknickt, hätten sich aber schnell davon erholt. In diesen Tagen ist mit der Maisernte begonnen worden. Gute bis sehr gute Erträge erwarten die Landwirte wenigstens bei diesen Pflanzen. „Nach der Ernte ist vor der Ernte“, sagt Brinkmann. Derzeit sind die Landwirte dabei, die durch den Regen verursachten Flurschäden zu bereinigen und die Felder für die nächste Aussaat vorzubereiten.

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