Sie spürt das Besondere im Lebenslauf auf
Bild: A. Edelkötter
Mit und über Gundi Busch, Deutschlands erster Weltmeisterin im Eiskunstlaufen, hat Ruth Damwerth eine Biografie veröffentlicht.
Bild: A. Edelkötter

Der Raum ist hell und strahlt eine aufgeräumte Ruhe aus. Holzfußboden, ein selbstgebautes weißes Bücherregal, vor den Fenstern steht ein Schreibtisch. Hier, an der Bahnhofstraße in Telgte, arbeitet Ruth Damwerth. Vor etwa zehn Jahren hat sie einen Verlag gegründet, den Biografie-Verlag, und somit ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. „Gegen Biografien ist jedes Geschichtsbuch langweilig“, findet Damwerth. Die Historikerin muss es wissen.

Angefangen hat alles in Berlin. Sie steckte in der Endphase ihres Studiums, als sie einen älteren Herren kennenlernte, der als Fremdenführer arbeitete. „Was der zu erzählen hatte, unvorstellbar“, erinnert sie sich. Wieder zu Hause recherchierte sie einige Sachen und erkannte schnell: Das war kein Blödsinn, den der Mann erzählt hat – sondern erlebte und durchlebte Geschichte. Damwerth wurde neugierig und ließ dem Mann einen Brief zukommen, in dem sie fragte, ob er ihr nicht seine komplette Lebensgeschichte erzählen wolle. Arnold Munter wollte, und beide trafen sich für ein Wochenende in Berlin. Dabei herausgekommen ist ihr erstes Buch – Arnold Munter. Ein biografisches Geschichtsbuch. „So spannend wie ein Roman, mit dem Wissen eines Sachbuches“, beschreibt es die Mutter von drei Kindern, denkt kurz nach und lacht plötzlich los. Damals, verrät sie, habe sie in ihrer Naivität gedacht: Mensch, das ging ja leicht. Jetzt bin ich Schriftstellerin. Heute weiß sie, leicht ist in diesem Metier gar nichts. Und einfach lassen sich auch nicht immer Verlage und Themen finden.

Obwohl, die Themen sind bei Ruth Damwerth das wesentlich kleinere Problem. Die fliegen ihr irgendwie zu, weil sie ein neugieriger Mensch ist, der die Fähigkeit besitzt, andere zum Reden zu bringen und ihnen zuzuhören. Wie diesem Mann aus Münster, der ihr von der katholischen Liga erzählte, die, fast in Vergessenheit geraten, Widerstand gegen das Nazi-Regime geleistet hatte. Wieder recherchiert Damwerth, findet Hinweise auf eine alte Zeitschrift der Liga, Kanalblatt, und es entsteht eine Idee. Sie will einen Jugendroman zu diesem Thema schreiben.

„Schwarz, rot, braun“ heißt dieser erste Jugendroman und erzählt die Geschichte des fünfzehnjährigen Josef, der sich in Münster, im Jahr 1931, nicht von den Nazis einschüchtern lassen will. Vom ersten Wort bis zur gedruckten Version habe es, so schildert Damwerth, fast fünf Jahre gedauert. Geschrieben war das Werk schnell, knapp zwei Jahre benötigte sie. Mühsam waren die Suche nach einem Verlag und die Vollendung.

„Da habe ich so richtig kapiert, wie schwer das werden wird, auch als Mutter“, erzählt sie und ergänzt: „Ich dachte damals, das kann es nicht sein, das ist so zäh, das macht wenig Spaß.“ Also besinnt sie sich auf das, was ihr Spaß macht – Biografien.

„Es ist vielleicht ein Klischee, aber das Leben schreibt wirklich tolle Geschichten“, findet die Verlegerin. Sie lerne durch ihre Arbeit unheimlich tolle Menschen kennen und bekomme oft Impulse für ihr eigenes Leben, sagt Damwerth. Die Themen, über die sie schreibt, seien vielfältig. Klar gebe es viele Lebensläufe, in denen Krieg und Vertreibung eine entscheidende Rolle spielen. Aber, betont Damwerth: „Auch normale Lebensläufe haben einen ganz besonderen Aspekt, vielleicht die Fähigkeit Freundschaften zu schließen, die ein ganzes Leben lang halten.“

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