Waldorfschule auf den Spuren Münchhausens
Bild: J. Kleigrewe
Wie mit dem Erbe des angeblich verstorbenen Barons verfahren werden soll, berieten (v.l.) Anwalt Rahmkopf (Julian Bennecke), der Pastor (Vincent Gerdes) und die Baronin (Alina Dahl) auf der Bühne der Freien Waldorfschule.
Bild: J. Kleigrewe

Dessen Leben steht im Mittelpunkt des Theaterstücks „Die lautere Wahrheit oder der Flug der gebratenen Ente“, das die Schüler der achten Klasse der Freien Waldorfschule Everswinkel am Samstag und Sonntag aufgeführt haben. Doch nicht nur die bekanntesten Schrullen der sagenumwobenen Gestalt sorgten bei den Zuschauern für Gelächter. Allein in den Dialogen des Stücks, das vom russischen Autor Grigori Gorin stammt, steckten zahlreiche Spitzen und Gemeinheiten. Den Nachwuchsschauspielern gelang es, diese nahezu perfekt auf die Bühne zu bringen. So gelang es ihnen auch, den oft doppelbödigen Humor des Autors so wiederzugeben, dass das Publikum einen Moment brauchte, um die Pointe zu verstehen und danach umso mehr darüber zu lachen. Es gab nicht nur unterhaltsame Momente in dem Stück, in dem Baron Münchhausen versucht, sich von seiner Frau scheiden zu lassen, um seine geliebte Martha zu heiraten. Denn da er den 32. Mai entdeckt hat und dieses Datum in die Scheidungsurkunde einträgt, wird die Trennung verweigert. Ausweg: Der Baron soll all seine unglaublichen Geschichten für unwahr erklären, um heiraten zu können. Dies treibt den in seiner eigenen Welt lebenden Freigeist jedoch in den Selbstmord, der das Publikum sichtlich schockierte. Dies lag, neben dem Spiel der Schüler, auch daran, dass diese sich zusammen mit ihrem Werklehrer Jürgen Fritzsch und Regisseur Christian Amyot viel Mühe beim Basteln der Kulisse und bei den Spezialeffekten gegeben hatten. In den vergangenen vier Wochen hatte die Klasse mit ihren Lehrern Karl Grünewald und Eva Schulte-Nölle sowie Regisseur Amyot intensiv für die Premiere gearbeitete. Es wurden die Kulissen gebaut, ein Programmheft gestaltet, Musik zur Untermalung herausgesucht und nicht zuletzt Requisiten und Kostüme organisiert. Vor allem die epochengetreuen Kostüme, die das Theaterpädagogische Zentrum Lingen zur Verfügung gestellt hatte, kamen bei den Zuschauern besonders gut an. Und natürlich wäre Münchhausen nicht Münchhausen, wenn er nicht zum Ende des Stücks als unscheinbarer Gärtner wieder aufgetaucht wäre. Um den Missbrauch seiner Geschichten zu verhindern, gibt er sich zu erkennen, doch soll er seine Identität beweisen, indem er auf einer Kanonenkugel zum Mond fliegt. Erst im letzten Moment wird die waghalsige Aktion gestoppt – Münchhausen und seine Geliebte schreiten auf einem Mondstrahl davon. Das begeisterte Publikum applaudierte den Jungschauspielern begeistert für überaus unterhaltsame Stunden in der Waldorfschule.

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