Wittebrock will aus Nachteil Vorteil ziehen
Bernd Wittebrock hat seinen Hut als Bürgermeister-Kandidat der CDU in den Ring geworfen. Er möchte am 17. April von den Telgter Bürgern zum Verwaltungschef gewählt werden.

 „Das steht vollkommen außer Frage für mich. Ein Bürgermeister muss in seiner Stadt wohnen und leben“, betont Wittebrock, der in der vergangenen Woche von den Christdemokraten als Kandidat und somit Herausforderer von Bürgermeister Wolfgang Pieper (Grüne) der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist. Wittebrock weiß um den Fall des damaligen Bürgermeisters Dr. Dietrich Meendermann, der ohne Gegenkandidaten nach einer Legislaturperiode von den Telgtern abgewählt worden war – unter anderem deshalb, weil der CDU-Mann seinen Wohnsitz in Warendorf nicht hatte aufgeben wollen und oft den Besuch von Veranstaltungen in der Kreisstadt denen in Telgte vorgezogen hatte. „Geht gar nicht“, ist Wittebrocks kurzer Kommentar zu seinem Parteikollegen, der heute Geschäftsführer von Warendorf Marketing ist.

Der 41-Jährige hat langjährige kommunalpolitische Erfahrungen im Gepäck: In seiner Heimatstadt Herten war er 15 Jahre lang aktiv in der Politik, unter anderem als Ratsherr, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Bezirksvorsitzender der Jungen Union. Vor sieben Jahren ist der verheiratete Vater von vier Jungen mit seiner Familie aufgrund einer beruflichen Veränderung nach Warendorf gezogen. In Erscheinung getreten ist er dort auf der politischen Bühne aber nicht. „Ich wollte mir eine Auszeit nehmen“, erklärt Wittebrock.

Warum seine Parteikollegen aus der Kreisstadt bis nach Rheine fahren mussten, um einen Bürgermeisterkandidaten zu finden (Axel Linke), wenn sie doch Wittebrock vor Ort hatten, beantwortet er mit einem Lächeln: „Die Warendorfer CDU hat vor anderthalb Jahren noch nicht einmal gewusst, dass es mich gibt. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich mich auch nicht bereit gefühlt, für einen Bürgermeister-Posten zu kandidieren. Das hat sich aber in diesem Sommer geändert.“ Über eine gute Vernetzung innerhalb der Partei sei es zum Kontakt zur CDU in Telgte gekommen. Man war sich gleich sympathisch.

 Bernd Wittebrock ist auf den Wahlkampf vorbereitet: In mühevoller Fleißarbeit hat er die Ratsprotokolle der vergangenen Jahre durchgearbeitet, dabei sind ihm gleich mehrere Schwerpunkte aufgefallen, die er als Bürgermeister der Stadt Telgte anpacken möchte. Zum einen die Finanzen: „Ein Defizit von 2,5 Millionen Euro im Haushalt muss nicht sein“, sagt der 41-Jährige. Die vom grünen Bürgermeister Pieper „erwartbaren Vorschläge“, nämlich Steuererhöhungen, habe der Rat – allen voran die CDU – abgelehnt. „Es gibt andere Alternativen, die Finanzen aufzubessern“, erklärt Wittebrock. Derzeit erfährt der Warendorfer ein weiteres Problem der Wallfahrtsstadt: der knappe Wohnraum für Familien. „Wir brauchen dringend Wohnungsbau, um den Druck vom Kessel zu nehmen“, betont der Bürgermeister-Kandidat. Unverständlich ist für ihn das derzeitige Vorgehen der Stadt, für die Unterbringung von Flüchtlingen Wohnungen für 9,25 Euro pro Quadratmeter anzumieten, anstatt selbst eine Unterkunft zu bauen. „Diese 42 Wohnungen werden dem Wohnungsmarkt entzogen. Es sollen zudem noch mehr angemietet werden. Das verschärft die Situation“, ist Wittebrocks Meinung. Und: „Im Wohnungsbau hat die Stadt Telgte gehörigen Nachholbedarf.“

Der 41-Jährige hat zudem die Vision einer Mitmach-Stadt. Darunter versteht Wittebrock mehr Bürgerbeteiligung. Die ist zwar in Telgte bereits vorhanden, muss aber nach Einschätzung des CDU-Manns „vom Kopf auf die Füße gestellt werden“. „Die Menschen müssen aktiv in die Entscheidungsfindung eingebunden werden. Bislang werden Entscheidungen vollkommen intransparent in irgendwelchen Hinterzimmern getroffen. Das muss sich ändern.“ Dazu kann sich der Warendorfer sehr gut Neubürger- und Einbürgerungsempfänge vorstellen. „Es gibt noch zahlreiche weitere Ideen“, blickt Wittebrock voraus. Damit er offiziell als CDU-Kandidat ins Rennen gehen kann, muss die Mitgliederversammlung am 20. Oktober seiner Kandidatur zustimmen. Bis zur Wahl wird Wittebrock zahlreiche Gespräche führen, sich tiefer in die Themen der Stadt einarbeiten und sich der Bevölkerung vorstellen. Die CDU hofft indes auf die Unterstützung Wittebrocks durch SPD und FDP, da sie, laut Vorsitzendem Christoph Boge, inhaltlich viele Schnittmengen in der Ratsarbeit mit den beiden Parteien erkannt haben. Ob SPD und FDP Wittebrock ebenfalls n

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