Wohnwagen der Liebe mit Brad Pitt teilen
Bild: Mettelem
Spielfreude und exzellentes Können zeichnet die fünf Musiker – allesamt unter 20 Jahre – der Gruppe „Bluesanovas“, die den Saal zum Kochen brachte.
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Dass auch Menschen mit Behinderung auf diese Bühne gehören, bewies die Theater-AG der Heinrich-Tellen-Schule. Unter Leitung ihrer Lehrerin Mechthild Everding-Kraß entwickelten die Schüler mit viel Engagement und Spielfreude Ideen zur Umsetzung zweier Gedichte: „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke und – mit einem Augenzwinkern – „Die Geliebte, eine Ode an die Liebe“. Mit viel Beifall wurden die jungen Akteure von der Bühne entlassen.

Das Zwerchfell wurde strapaziert, als Jan Brechmann aus Sassenberg von seinen Erlebnissen als Fliesenleger erzählte. Wenn man bei Ausbesserungsarbeiten in einem Krematorium seine Phantasie spielen lässt, kann schon einiges passieren. Da nützt es auch nichts, das Radio lauter zu stellen, um „Hallo again“ von Howard Carpendale zu hören, wenn man im Augenwinkel die Schubfächer der Leichenhalle sieht. Wenn einem dann auch noch der Sicherheitskollege von hinten auf die Schulter tippt, kann schon mal die Flex ausrutschen. Die Einladung zum Wiederkommen, die Susanne Müller vom Kulturkreis aussprach, wird Jan Brechmann annehmen.

Im Kreis Warendorf und darüber hinaus sind die sieben gestandenen Männer der a-capella-Gruppe „Voiceboxx“ schon bekannt. In Everswinkel machten sie mit ihren humoristischen Liedern beste Eigenwerbung. So erfuhr man unter anderem, dass die Ehefrau bei der „Silberhochzeit“ nur noch von Brad Pitt schwärmt oder der „Caravan of Love“ wörtlich übersetzt wird zum „Wohnwagen der Liebe“.

Brillantes Können auf dem Saxophon präsentierte nach der Pause Rüdiger Wilke. Der Dozent der Musikschule Kamen und Leiter der dortigen Bigband zog alle Register seines Talents mit Melodien von Bill Withers („Two of us“), von Paul Desmond („Take five“), entzückte das Publikum mit dem Bossanova-Samba-Verschnitt „Half a minute“ und erstaunte mit seiner Interpretation des Lennon-McCartney-Hits „Let it be“.

Der „Knaller“ des Bühne-frei-Abends war aber der Auftritt der „Bluesanovas“, fünf junge Musiker, die sich dem Chicago-Blues verschrieben haben und das Publikum mitrissen. Exzellentes Können auf den Gitarren bewiesen Filipe de la Torre und Kenan Özdemir, Nico Dreier – in Everswinkel schon bestens bekannt – am Klavier, sein Zwillingsbruder Philipp Dreier am Schlagzeug und schließlich Philip Heermann, der aus seinem „Im-Frühtau-zu-Berge-Instrument“, der Mundharmonika, ungeahnte Jazz-Klänge hervorzauberte. Das Zusammenspiel, das jedem Musiker auch Präsentationsfreiheiten ließ, begeisterte nicht nur die Zuhörer, sondern lockte auch Rüdiger Wilke mit seinem Saxophon auf die Bühne zum Mitspielen.

Die fünf „Bluesanovas“ nutzten ihre Zeit bravourös aus, erhielten rauschenden Beifall, sagten aber schließlich die Zugabe ab: „Wir müssen morgen früh wieder in die Schule...“

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