Zeuginnen schildern Übergriffe des Heilers
Bild: dpa
In einem Berufungsprozess vor dem Landgericht Münster muss sich ein Mentaltrainer und selbst ernannter Heiler verantworten.
Bild: dpa

In Everswinkel soll der Alternativmediziner im Jahr 2014 eine junge Frau wiederholt sexuell missbraucht haben. Während verschiedener Behandlungen, teilweise mit Hypnose, soll er sich an dem wehrlosen Opfer vergangen und dabei das besondere Vertrauen ausgenutzt haben, das die Frau ihm entgegenbrachte.

Das Amtsgericht Warendorf hatte den Mann am 11. Juni 2018 zu einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten verurteilt. Dagegen legten alle Prozessbeteiligten Berufung ein.  Der Heiler wies alle Vorwürfe von sich. Der Staatsanwaltschaft war das erstinstanzliche Urteil zu mild.

Am Mittwoch schilderten drei Frauen im Zeugenstand, dass sie Ähnliches mit dem Alternativ-mediziner erlebt hatten wie die Nebenklägerin des laufenden Verfahrens. Diese Frauen waren älter als die junge Everswinkelerin und haben sich nach eigenen Angaben besser gegen die Übergriffe wehren können. In einem Fall, so eine Zeugin, sei der Mann im intensivsten Moment der Therapiesitzung sexuell übergriffig geworden. Nach diesen einhellig als traumatisch geschilderten Erfahrungen brachen die Frauen jeweils die Behandlungen ab, die zudem sehr teuer gewesen sein sollen.

Erst die junge Frau aus Everswinkel zeigte den Mann an, nachdem sie eine Psychologin zu diesem Schritt ermuntert hatte.

Am ersten Verhandlungstag vor drei Wochen hatte der Angeklagte noch von einem Komplott der Frauen gegen ihn gesprochen. Nach den Zeugenaussagen am Mittwoch war er zu einem Deal bereit. Er hätte das Urteil des Amtsgerichts akzeptiert und seine Berufung zurückgenommen, wenn auch der Staatsanwalt und die Nebenklägerin dazu bereit gewesen wären. Beide lehnten das ab. Zwar wäre dem mutmaßlichen Opfer in diesem Fall eine erneute Zeugenbefragung erspart geblieben. Die junge Frau wollte aber aussagen.

Auf Antrag ihrer Anwältin schloss die Kammer die Öffentlichkeit während ihrer Aussage aus. Hinterher verließ sie den Gerichtssaal unter Tränen und sichtlich aufgewühlt. Zu den erwarteten Plädoyers kam es am Mittwoch nicht, weil die Rechtsanwältin des Heilers drei Beweisanträge stellte, über die die Kammer erst entscheiden muss. Der Prozess wird am 8. April fortgesetzt

SOCIAL BOOKMARKS