50 Biber bevölkern die Lippe
Die „Biber-Paten“ Marko Kneisz (links) vom Kreis und Olaf Zimball von der ABU (rechts) zeigen den Biberfraß an Weiden am alten Wehr an der Lippe bei Benninghausen.

In Lippetal tauchten sie zuerst „im Winkel“ in der Disselmersch auf. Inzwischen erstreckt sich das Vorkommen von der Lippeaue bei Haus Uentrop bis zur „ollen Wiese“ bei Stirpe nahe Lippstadt. Die Population in diesem Lebensraum schätzt Biber-Experte Olaf Zimball von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz auf etwa 50 Tiere. Olaf Zimball arbeitet in Sachen Biber eng mit Marko Kneisz vom Kreis Soest zusammen.

Der ist zuständig für den Vertragsnaturschutz. In der Abteilung Natur- und Umweltschutz kümmert er sich unter anderem um Ausgleichszahlungen für Landeigentümer, wenn Flächen an der Lippe für den Biber benötigt werden oder wenn von den Nagern angerichtete Schäden reguliert werden müssen. Zudem informiert er die Landwirte über neue Vorkommen der unter Naturschutz stehenden Tiere.

Wirtschaftliche Schäden halten sich bisher allerdings in engen Grenzen. Nur eine Porree-Kultur und eine Tuja-Hecke wurden von den Nagern angeknabbert. Sollten die Biber allerdings auf die Idee kommen, wichtige Drainagen oder Vorfluter-Gräben zu besiedeln und anzustauen, müsste Marko Kneisz eingreifen.

Dann würden die Biber dort eingefangen und müssten umziehen. „Unser Ziel ist es, die Stimmung pro Biber hochzuhalten“, sagt Kneisz, denn in der teils dicht besiedelten Landschaft kann es zu Konflikten kommen.

Die Biber haben sich bisher nur in den Renaturierungsgebieten angesiedelt. Dort wo die Ufer mit Steinen befestigt sind, können sie keine Gänge bauen. Direkt an die Lippe bauen die Nager keine Dämme, weil das Wasser tief genug ist. Es gibt aber auch schon mehrere Biberburgen, zum Beispiel am Mannighofer Bach, wo eine Wiese in diesem trockenen Sommer vom gestauten Wasser profitiert hat. „Die Reviere der Biber liegen in einem Umkreis von bis zu zwei Kilometern um den Bau“, weiß Olaf Zimball. Je nachdem wieviel Nahrung sie vorfinden. Die besteht aus einem Kräuter-Sortiment von rund 200 Pflanzenarten.

Im Winter ernähren sie sich überwiegend von Weidenrinde. Das Holz, das sie abnagen, zerren sie als Deckel auf ihren Bau, um den Kamin von oben vor Nässe zu schützen. Da es hier keine natürlichen Feinde gibt, dürften sich die Biber weiter ausbreiten. Im Kreis Warendorf wurde bereits ein Nager überfahren, das dürfte allerdings selten bleiben, weil sich die Tiere überwiegend in der Nähe der Gewässer aufhalten. Der unter Naturschutz stehende „Castor fiber“ (Europäischer Biber) wird bis zu einen Meter groß und rund 20 Kilo schwer. Das Fell des Bibers ist an das Leben im Wasser angepasst und ungeheuer dicht.

Auf den Quadratmillimeter kommen 230 Haare, der Mensch hat dagegen gerade sechs. Olaf Zimball: „Wir sind positiv überrascht, wie gut die Ansiedlung funktioniert hat und zwar ohne größere Konflikte.“ Und er hat noch eine besondere Nachricht im Gepäck: „Es gibt erste Hinweise auf Vorkommen von Fischottern. Auch die könnten demnächst wieder an der Lippe heimisch werden.“ Zurzeit werde versucht, die Tiere mit Fotofallen nachzuweisen.

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