Auf der Suche nach Bauland
Die Freifläche in Hovestadt an der Straße „Auf dem Felde“ gehört zu den wenigen unbebauten Arealen innerhalb der Ortschaften.

„Das ist schon eine sensible Angelegenheit, schließlich geht es um das Eigentum der Leute“, sagt Bürgermeister Matthias Lürbke. „Wir wollen keinen Druck ausüben, sondern nur Bewusstsein für unsere Situation schaffen und ins Gespräch kommen“, ergänzt Elisabeth Goldstein, die Leiterin des Bauamts. Eigentümer, die am Ende beteuern, ein Verkauf komme für sie nicht in Frage, weil sie vielleicht den Acker für ihre Nachfahren reservieren möchten, würden auch nicht weiter befragt oder gar bedrängt.

Bei Absagen aber hätte die Gemeinde den Nachweis für die Aufsichtsbehörden und Landesplaner in Händen, dass sie wirklich auf neue Siedlungen angewiesen ist, will sie die die Wünsche von Bauherren erfüllen. Das Interesse, sich in Lippetal die eigenen vier Wände zu errichten, hält unvermindert an. Neue Siedlungen wie die in Herzfeld mit 126 Bauplätzen sind in wenigen Jahren vollgelaufen.

Kein Wunder bei den günstigen Preisen, die in Lippetal aufgerufen werden. Für etwa 85 bis 95 Euro pro Quadratmeter gehen die meisten Grundstücke beim Notar von A nach B, wobei A fast immer die Gemeinde ist. „Noch nie ist hier ein Baugrundstück für 100 Euro oder gar noch mehr verkauft worden“, sagt Goldstein und fügt hinzu: Für den Preis sei der Baugrund obendrein schon voll erschlossen.

„Ziel ist es, überall in der Gemeinde Bauwünsche zu erfüllen“, erklärt Lürbke; also nicht nur in den drei größeren Orten Oestinghausen, Lippborg und Herzfeld, wo es zudem die nötige Infrastruktur mit Kindergärten, Schulen, Geschäften und Ärzten gibt, sondern auch in den kleinen Dörfern soll gebaut werden dürfen, wenn etwa der Interessent dort aufgewachsen ist. „Lippetaler first“, laute die Devise. Und dennoch: Jeder dritte Siedler kam in den vergangenen Jahren von außerhalb, berichtet Michael Vogel vom Bauamt. Das könnten demnächst sogar noch mehr sein, wenn Firmen im neuen Industriegebiet siedeln und die Mitarbeiter zu Lippetalern werden.

Die drei Ratsfraktionen begrüßen den Vorstoß, die Besitzer freier Flächen anzuschreiben. „Wir wollen die Eigentümer sensibilisieren“, erklärt Bernhard Renner, CDU-Ratsmitglied und Vorsitzender des Bauausschusses. „Es muss weitergehen“, findet Ludger Ebel (BG). Es müsse aber aufgepasst werden, den ländlichen Charakter gerade der kleinen Dörfer zu erhalten, verlangt SPD-Fraktionschef Herbert Schenk. „Eine Obstwiese mitten im Dorf ist genauso viel wert wie ein Stück vom Maisfeld außerhalb, das zu einer neuen Siedlung werden könnte.“

Bauträger, Investoren-Gesellschaften oder gar Spekulanten kommen beim Wohnbau in der Gemeinde Lippetal nicht zum Zug. „Wir machen alles selbst“, erläutert Bürgermeister Matthias Lürbke. Die Gemeindeverwaltung kauft den Acker oder die freie Wiese, sie schafft das nötige Planungs- und Baurecht, erschließt die Baugrundstücke und sie verkauft sie am Ende selbst. Mit ein Grund dafür, dass die Preise nicht wie anderswo durch die Decke gegangen sind und halbwegs preiswertes Bauen noch möglich ist.

Zudem hat die Gemeinde den Hebel in der Hand, soziale Gesichtspunkte bei der Vergabe der Flächen einfließen lassen zu können. „50 Jahre machen wir das hier schon so“, betont Bürgermeister Lürbke. Wenn jetzt das Gespräch mit den Eigentümern unbebauter Grundstücke gesucht wird, geht es auch darum, die Orte nicht immer weiter nach außen in die Landschaft ausfransen zu lassen, sondern die Baulücken im Innern zu schließen. Auch dies, so versprechen sich Politik und Verwaltung, trage dazu bei, die Lippetaler Dörfer lebendig zu halten.

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