Beim Reiten „wie ein Kind im Mutterleib“
Das Voltigieren ist für sie eine Herzensangelegenheit: (v. l.) Hellen Brüggemann, Birthe Brüggemann, Anna Bockey, Gina Dietrich, Eva König und Matilda Reise.

„Pferde sind so große, warme Lebewesen. Sie spiegeln Kraft wider“, gerät die Vorsitzende des in Herzfeld ansässigen Voltigiervereins „Pferde, Freizeit und Natur in Lippetal“ ins Schwärmen. „Man fühlt sich beim Reiten wie ein Kind im Mutterleib – und findet seine innere Mitte.“ Diese Faszination vermitteln Rüsing-Brüggemann und ihre Vereinskollegen auch dem Nachwuchs.

„Allerdings müssen Kinder erst lernen, dass man Achtung und Vorsicht vor den Pferden haben muss“, erzählt sie. „Viele Kinder wachsen ohne eigene Tiere im Haushalt auf brauchen deshalb eine gewisse Gewöhnungszeit.“ Die Scheu legen die Kleinen aber meistens schnell ab, was sich dann auch in einer Persönlichkeitsstärkung äußert.

„Um mit Pferden umzugehen, brauchen Menschen eben eine Körpersprache, die Selbstvertrauen ausstrahlt. Diese eignen sich die Kinder mit der Zeit an“, erklärt Rüsing-Brüggemann. So können schließlich auch die Kleinen die Pferde lieben lernen. In Herzfeld auf der Anlage an der Diestedder Straße wird auch Menschen mit Behinderung der Umgang mit den Reittieren nähergebracht.

Als Sozialpädagogin bietet Rüsing-Brüggemann nämlich auch heilpädagogisches Voltigieren an. „Pferde eignen sich dafür hervorragend“, urteilt Elke Lindner vom Deutschen Kuratorium für Pädagogisches Reiten. „Sie sind komplett vorurteilsfrei, machen keinen Unterschied, ob ein Mensch ein Handicap hat oder nicht.“

Das ganze Programm bedeutet für die Pferde einen enormen Stress, weshalb nicht jedes dazu geeignet ist, in Lippetal eingesetzt zu werden. Da kann die Suche nach dem passenden Tier schon einmal etwas länger dauern, wie Rüsing-Brüggemann berichtet. „Das Wesen muss passen. Es darf in der Vergangenheit noch keine schlechten Erfahrungen gemacht haben.“

Nur so sei das regelmäßige Training überhaupt erst möglich. Zur Liebe zum Pferd gehört allerdings mehr als die wöchentliche Übungsstunde. Die fünf vereinseigenen Tiere müssen ja auch außerhalb der Saison gehegt und gepflegt werden. Darum kümmern sich vor allem das Vorstandsteam und die älteren Jugendlichen des Vereins. „Die Pferde gehören zur Familie“, sagt Rüsing-Brüggemann. „Zwischen uns besteht eine große Vertrautheit.“ Das liebevolle Schwärmen ist auch jetzt nicht zu überhören.

Der Verein „Pferd, Freizeit und Natur in Lippetal“ wurde im Jahr 2004 gegründet und ist seitdem in der gesamten Region auf Voltigierturnieren unterwegs. Aktuell sind dort regelmäßig 150 Kinder mit den Pferden in Kontakt. 18 Übungsleiterinnen unterstützen sie dabei. Für das heilpädagogische Voltigieren bietet der Verein auch Gruppen für Kinder mit Behinderungen an. Die Kosten dafür werden allerdings nicht von der Krankenkasse übernommen.

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